Welpe aus der Luft entpuppt sich als seltener Dingo

Als im August ein Raubvogel einen kleinen Welpen in den Garten einer australischen Familie fallen ließ, war die Überraschung groß. Doch damit noch nicht genug: Nun stellte sich heraus, dass der kleine Welpe aus der Luft nicht der Nachwuchs eines Haustieres ist, sondern ein reinrassiger und damit seltener Dingo-Welpe.

Im August fiel er quasi vom Himmel: Der kleine, braune Welpe, den in Australien inzwischen alle als Wandi kennen. Wandi besitzt eine eigene Instagram-Seite und hat über 25.000 Followers. Seine ausgesprochen süßen Fotos gingen um die Welt.

Dafür dass er so plötzlich im Garten eines Hinterhofs in Wandiligong in der Nähe von Bright im Nordosten des australischen Bundesstaates Victoria auftauchte, konnten Experten nur eine Erklärung finden: Ein Raubvogel, wahrscheinlich ein Adler, musste den Welpen verschleppt und aus Versehen dort dann fallen gelassen haben.

Zunächst für einen Hund oder Fuchs gehalten

Die Familie, die ihn fand, kümmerte sich rund einen Tag um das Tier, das sie anfangs für einen Hund oder Fuchs hielten, bevor sie den Nachwuchs in eine Tierklinik brachten. Die lokale Tierärztin Bec Day schätzte den Welpen auf ungefähr acht bis zehn Wochen. „Er hatte ein Mal auf dem Rücken“, sagte Day dem australischen Sender ABC. Die Vermutung lag deswegen nahe, dass dieses von Raubvogelkrallen stammte, nachdem die Familie keine anderen Dingos oder Welpen in der Nähe entdecken konnte.

„Er war bezaubernd“, schwärmte die Tierärztin und berichtete, dass der Welpe überhaupt keine Angst vor Menschen gehabt habe. Rein äußerlich ließ sich das Tier nicht eindeutig bestimmen. Die Klinik bestellte deswegen einen DNA-Test, der nun ergab, dass es sich bei dem kleinen Welpen um etwas ganz Besonderes handelt – nämlich einen reinrassigen Dingo-Welpen.

Wandi ist relativ zahm

Inzwischen lebt Wandi in einem Tierschutzgebiet der Australian Dingo Foundation in Victoria, das reinrassige Dingos züchtet. Da die DNA-Tests ihn ebenfalls als reinrassigen Dingo ausweisen, kann er Teil des dortigen Zuchtprogramms mit rund 40 anderen Dingos werden. Bei dem Zuchtprogramm geht es um den Erhalt der Gattung sowie ihres Genpools.

Wandi fühlt sich in seinem neuen Zuhause pudelwohl, wie Lyn Watson, die Direktorin der australischen Dingo-Stiftung berichtete. „Wandi hat einen kleinen Spielgefährten in seinem Alter, weil er im Winter genau zum richtigen Zeitpunkt für Dingos geboren wurde“, sagte sie. Er sei relativ zahm, obwohl er natürlich immer ein wilder Dingo bleiben werde. „Aber er ist hier ziemlich glücklich und mag die Leute, die sich um ihn kümmern.“

Vor tausenden Jahren nach Australien gekommen

Wandis Ankunft hilft auch der Dingo-Stiftung, denn seine spezielle Art – der Alpin-Dingo – ist vom Aussterben bedroht. Laut Watson stammt diese vor allem aus den östlichen Küstengebieten, wo rund 80 Prozent der Bevölkerung leben, und der Lebensraum für Dingos damit immer weiter schwindet.

Dingos kamen vor 3500 bis schätzungsweise 5000 Jahren nach Australien. Es ist nicht ganz klar, woher die Tiere ursprünglich stammen, die wahrscheinlichste Version ist, dass sie von Händlern aus Asien eingeschleppt wurden. Obwohl der Dingo leicht mit einem Haushund verwechselt werden kann und viele sich inzwischen auch mit normalen Hunden gepaart haben und Mischlingstiere sind, unterscheiden sie sich in einem Merkmal gravierend von domestizierten Hunden. Sie kommunizieren weniger über Bellen, sondern über verschiedene Heultöne. Die noch reinste Dingo-Population lebt in freier Natur auf Fraser Island, die größte Sandinsel der Welt und beliebtes Touristenziel Australiens.

Barbara Barkhausen