Vom schlimmsten zum besten Tag – in nur einer Woche

Nachdem er in der Schule schrecklich gemobbt wurde, wollte ein neunjähriger Australier vergangene Woche am liebsten sterben. In einem Video, das später weltweit im Internet für Aufsehen sorgte, zeigte ihn seine Mutter schluchzend im Auto. Doch innerhalb weniger Tage stellten sich Prominente weltweit auf seine Seite, am Wochenende durfte der Junge sogar mit einem Rugbyteam ins Stadion einlaufen.

Das Video, das den neunjährigen Quaden Bayles nach einem Tag in der Schule zeigte, muss jedem nahegehen. Darin schluchzte der neunjährige Aborigine-Junge, der kleinwüchsig geboren wurde, herzerweichend. Nachdem er den ganzen Tag über gemobbt worden war, fragte er seine Mutter nach einem Messer und sagte. „Ich möchte mich selbst umbringen… Ich möchte jetzt sofort sterben.“

Seine Mutter nahm den emotionalen Zusammenbruch ihres Sohnes zum Anlass, eine Botschaft gegen Mobbing aufzuzeichnen. „Das ist der Effekt, den Mobbing hat”, sagte sie in dem Video. „Könnt ihr das bitte alle euren Kindern, euren Familien und euren Freunden beibringen.“ Sie wisse sich anders nicht mehr zu helfen. Jeden Tage passiere etwas anderes: „Eine andere Episode, ein Mobbing, eine andere Verspottung, eine andere Beleidigung.“

„Mobbing ist nicht in Ordnung“

Wenig rechnete die Mutter mit der Resonanz, die ihr Video innerhalb weniger Tage haben würde. Millionen Menschen weltweit schauten es an, Medien aus aller Welt berichteten darüber. Tausende Menschen schickten dem Neunjährigen und seiner Mutter Nachrichten, selbst einige bekannte Persönlichkeiten meldeten sich über soziale Medien zu Wort.

Der australische Schauspieler Hugh Jackman ludt eine Videobotschaft für den Neunjährigen auf soziale Medien, in der er sagte: „Du hast in mir einen Freund.“ Quaden sei stärker, als er es sich vorstellen könne. Dann rief der Hollywood-Star die Menschen dazu auf, nett zueinander zu sein: „Mobbing ist nicht in Ordnung.“ Das Leben sei schon schwer genug.

Spendenaktion bringt halbe Million Dollar ein

Der ebenfalls kleinwüchsige US-Komiker Brad Williams startete, nachdem er das Video sah, sogar eine „GoFundMe“-Seite, um Geld für den Aborigine-Jungen zu sammeln. Er wolle Quaden damit wissen lassen, dass Mobben nicht toleriert werde und dass er ein wundervoller Mensch sei, der es verdiene, sich zu freuen. Deshalb plant Williams, Quaden und seine Mutter nach Amerika zu fliegen und nach Disneyland einzuladen. Die Spendenaktion brachte es am Montag bereits auf fast eine halbe Million US-Dollar. Williams plant, das restliche Geld für Organisationen zu spenden, die gegen Mobbing vorgehen. „Das ist nicht nur für Quaden, das ist für jeden, der in seinem Leben schon mal gemobbt wurde und dem gesagt wurde, er sei nicht gut genug.“

Am Wochenende wurde der Neunjährige nun sogar von seinem Lieblings-Rugbyteam eingeladen. Er durfte zusammen mit einem rein aus indigenen Spielern aufgebauten Team auf den Platz auflaufen. Seine Mutter Yarraka Bayles sagte vor Reportern, diese Geste habe seine Träume erfüllt. „Er sagte, er erlebte erst den schlimmsten und dann den besten Tag seines Lebens.“ Sein Traum sei es, selbst ein Rugby-Spieler zu werden. Das werde zwar in der Realität nicht passieren und er wisse das, aber das sei das Nächstbeste für ihn gewesen.

Vom Mobbing zum Cyber-Mobbing

Doch das Mobbing sollte für den kleinen Jungen noch kein Ende nehmen. Innerhalb weniger Tage nach der Veröffentlichung des Videos tauchten Lügengeschichten über ihn im Internet auf, in denen behauptet wurde, er sei gar nicht neun Jahre alt, sondern ein 18-jähriger Schauspieler und das Video sei gestellt gewesen. Die Internet-Trolle richteten sogar falsche Instagram-Seiten in seinem Namen ein.

Obwohl ältere Medienberichte, in denen seine Mutter über die Krankheit ihres Sohnes spricht, beweisen, dass Quadens Alter keine Lüge ist, verbreiteten sich die Behauptungen im Internet. Nachdem unzählige Trolle anfingen, Quaden und seine Mutter mit Nachrichten und Vorwürfen zu bombadieren, löschte Yarraka Bayles das Video im Internet und stellte ihre Instagramseite auf privat um. Ein Twitter-Nutzer fasste es perfekt in Worte, als er schrieb: „Wenn ihr da draußen immer noch diese falschen Gerüchte herumschickt, dass Quaden Bayles eigentlich 18 sei, dann herzlichen Glückwunsch – ihr macht Cyber-Mobbing mit einem Neunjährigen.“

(Barbara Barkhausen)