Townsville: Das beste aller Lockdown-Projekte

Ein australischer Künstler hat den Corona-Lockdown in seinem Land genutzt, um einen 750-Kilo schweren Kookaburra zu bauen. Die Vogel-Skulptur stößt sogar das bekannte laute Lachen des australischen Symboltieres aus.

Viele haben die vergangenen Wochen zu Hause genutzt, um kreativ zu sein. Malen, basteln, backen und DIY-Projekte im Haus und Garten hatten Hochkonjunktur. Doch kaum jemand wird sich ein so aufwendiges Projekt vorgenommen haben wie Farvardin Daliri, ein Künstler aus Townsville im Nordosten Australiens. „Ich habe meine Zeit im Lockdown dazu verwendet, um einen riesigen, lachenden Kookaburra zu bauen“, schrieb Daliri auf Twitter.

Kookaburras gehören wie Koalas oder Kängurus zu den bekanntesten australischen Tieren. Sie sind stattliche Vögel, die zur Familie der Eisvögel zählen. Wegen ihrer Größe und nicht zuletzt wegen ihres Rufs sind sie nicht zu übersehen und schon gar nicht zu überhören. Letzterer ist laut und hört sich wie ein hysterisches Lachen an, weswegen der Vogel im Deutschen auch gerne als „Lachender Hans“ bezeichnet wird.

Lockdown als Ideengeber

Farvardin Daliri, ein australischer Künstler, der im Iran geboren wurde und in Indien Kunst studierte, hat auch früher schon große Skulpturen und Kunstwerke gebaut, darunter eine große Schlange, ein Krokodil und einen Koala. Den Bau des Kookaburras, der auf dem Townsville Cultural Festival „auftreten“ soll, startete er bereits über die Weihnachtsfeiertage.

Doch der Lockdown gab dem Australier schließlich die Idee und auch die Zeit, die Vogel-Skulptur nochmal aufwendiger zu bauen als frühere Projekte. „Als der Lockdown startete, hatte ich nichts anderes zu tun“, sagte er. „Alles war traurig und alle hatten Angst.“ Da sei ihm die Idee mit dem Lachen gekommen.

Lachen hilft in schwierigen Zeiten

Um die 4,5 Meter hohe und 8,5 Meter lange Skulptur so lebensecht wie möglich zu gestalten, verwendete er Stahlelemente, Glasfaser und Bambus. Damit sich der Schnabel bewegt, baute er einen Motor ein, das Lachen kommt aus einem Sound System. „Das Geräusch selbst kaufte ich im Internet ein“, sagte er. Es sei der Ruf eines echten Kookaburras.

Als Daliri das Kunstwerk zum ersten Mal auf einem Bootsanhänger durch die Nebenstraßen Brisbanes fuhr, wo er den Lockdown verbachte, erregte er eine Menge Aufsehen. Die Nachbarn hätten alles gefilmt und im Internet gepostet, sagte der Künstler. Alle seien mit der Skulptur ganz verrückt gewesen. Innerhalb weniger Tage kontaktierten ihn Medien aus aller Welt. „Ich habe mich gefragt, warum über meine anderen Werke nicht genauso viel berichtet wurde und glaube, es ist die Kraft des Lachens“, sagte er. „Lachen hilft uns eben durch schwierige Zeiten hindurch.“

Faible für „Big Things“

Australier haben insgesamt ein Faible für Überdimensionales: So zieren beispielsweise über 150 sogenannte „Big Things” – oder auf deutsch „Große Dinger” – die australischen Highways. Die Skulpturen und Bauwerke gibt es als riesenhafte Bananen, Goliath-ähnliche Merinoschafen, Monster-Ananas, Riesengarnelen, Äpfel, Avokados und Ameisen in Übergröße.

Ob sie Kunst, Kultobjekt, Touri-Falle oder einfach nur Kitsch sind, darüber kann man sich streiten. Ein Hingucker sind sie allemal: Die Menschen stoppen, fotografieren und bloggen darüber. Farvardin Daliris Kookaburra ist also down under in bester Gesellschaft – wobei er es innerhalb weniger Tage schon zu deutlich mehr Ruhm gebracht hat als jedes andere „Big Thing“ vor ihm.

(Text: Barbara Barkhausen, Foto: Farvardin Daliri)