Stau am Uluru kurz vor dem Kletterverbot

Seit Monaten klettern Heerscharen auf den Uluru, das berühmte Heiligtum der Aborigines im Zentrum Australiens. Der Grund für den Ansturm ist das anstehende Kletterverbot Ende des Monats. Ein Foto zeigte nun jedoch einen Stau mit über tausend Urlaubern (Anmerkung der Redaktion: Aus Respekt zeigen wir dieses Foto hier bewusst nicht). Vergleiche zum Mount Everest wurden laut.

Bergsteiger stehen regelmäßig am Mount Everest an, um einen Moment auf dem Gipfel des Berges zu verbringen. Ähnliche Fotos sind nun vom Uluru aufgetaucht. Touristenmassen quälen sich drei Wochen vor dem Kletterverbot wie Ameisen den heiligen Berg der Aborgines hoch.

Das Foto eines Korrespondenten der australischen Tageszeitung „The Australian“ zeigt mehr als tausend australische und internationale Besucher, die in der vergangenen Woche Schlange standen, um auf den Berg zu klettern.

Ende Oktober wird der Weg geschlossen

Der Ansturm auf den heiligen Berg der australischen Ureinwohner – der Aborigines – hat sich in den vergangenen Monaten stetig erhöht. Denn ab dem 26. Oktober tritt ein Kletterverbot in Kraft. Die Kette, die den Weg bisher markiert und Wanderern Halt gibt, soll dann entfernt werden. Wer danach trotzdem noch klettert, macht sich strafbar – zwei Jahre Gefängnis oder 60.000 australische Dollar (37.000 Euro) Strafe sind veranschlagt.

Dies hat ein Gremium aus acht Ureinwohnern und drei Repräsentanten der Nationalparkbehörde im November 2017 nach einer Konsultation des lokalen Anangu-Volkes beschlossen. Ihre Begründung: Der Uluru sei ein extrem wichtiger Ort und „kein Spielplatz oder Freizeitpark wie Disneyland“. Die Traditionen der lokalen Ureinwohner erzählen von Ursprungswesen, die die einst leere Erde überquerten und dabei Landschaftsformen wie den Uluru hinterließen. Andere Geschichten berichten von Schlangen oder von zwei Jungen, die im Schlamm spielten und so den Uluru erschufen.

Umstrittener Wanderweg

Bisher schon war es aufgrund dieser kulturellen Bedeutung höchst umstritten, den Inselberg, der fünf Autostunden von Alice Springs entfernt ist, zu erklettern. Ein Schild bat Besucher in sechs Sprachen, nicht auf den fast 348 Meter hohen Felsen zu klettern. Offiziell war das Klettern bisher aber nicht verboten und deswegen wanderten Besucher regelmäßig bis zum Gipfel.

Selbst mit Kette ist der Aufstieg jedoch ermüdend und nicht ungefährlich. 37 Menschen starben seit den 1950ern während oder nach dem Aufstieg. Seit diesem Zeitpunkt werden Aktivitäten auf dem Uluru, der seit 1987 Weltkulturerbe ist, offiziell dokumentiert.

„Seine wahre Majestät schätzt man am besten vom Boden aus.“

Der derzeitige Besucherstrom hat jedoch so extreme Ausmaße angenommen, dass er in Australien eine Diskussion ausgelöst hat. Tim Andersen, ein Befürworter des Kletterns, schrieb auf Twitter: „Es ist eine natürliche Felsformation, die es schon vor der Kultur der Aborigines gab.“ Er würde die Bedenken verstehen, wenn sie die Struktur selbst gebaut hätten, aber beim Uluru handele es sich um eine natürliche Felsformation. Die sollte man besteigen dürfen.

Ein anderer Internetnutzer, der seinen Namen nur mit Shayne angab, schrieb, er habe den Uluru in den 1990ern noch als Teenager bestiegen. Heute täte ihm das jedoch leid. „Ich bin im Juli zurückgekehrt und hatte nicht die Absicht, ihn wieder zu besteigen.“ Er habe den Wanderweg außen herum genommen und das sei atemberaubend gewesen. „Ich bin nicht religiös, aber der Uluru hat definitiv etwas Spirituelles“, schrieb er.

Bereits im September hatte der indigene Politiker Chansey Paech ein Foto von sich vor dem Uluru veröffentlicht, der zum nördlichen Territorium in Australien gehört, und dazu geschrieben: „Als stolzer Territorianer habe ich den Uluru nie bestiegen und werde ihn auch nie besteigen. Seine wahre Majestät schätzt man am besten vom Boden aus.“

(Barbara Barkhausen)