Stärkste Krabbe der Welt ist auch ein Dieb

Mit ihren Scheren können Palmendiebe fester zupacken, als ein Löwe zubeißt. Doch der bärenstarke Landkrebs ist nicht nur ein echter Herkules. Er ist – wie sein deutscher Name schon verrät – auch diebisch veranlagt. Eine Wissenschaftlerin in Australien bekam dies schmerzhaft zu spüren.

Auf der Weihnachtsinsel in Australien – einem einsam gelegenen Eiland im Indischen Ozean – haben die dort heimischen Palmendiebe nicht den besten Ruf. Die frechen Landkrebse, die eine Spannweite bis zu einem Meter erreichen und vier Kilo schwer werden können, sind dafür bekannt, dass sie gerne alles klauen, was ihnen in die Scheren kommt.

Jetzt soll einer der kleptomanisch veranlagten Krebse jedoch nicht nur einen herumliegenden Flipflop in sein Nest verzogen haben, sondern die 6000 Dollar oder umgerechnet weit über 3000 Euro teure Kamera einer Forscherin. Annabel Dorrestein, eine Biologin aus den Niederlanden, die an der Western Sydney University über die vom Aussterben bedrohten Flughunde auf der Weihnachtsinsel promoviert, hatte die Kamera aufgestellt, um eigentlich das Verhalten der dortigen Flughundpopulation zu beobachten.

Diebstahl unterm Mangobaum

Dabei hatte sie jedoch die räuberischen Landkrebse unterschätzt. Diese seien zwar für ihre „Neugier“ und ihre Neigung, Sachen zu stehlen, bekannt, wie die Biologin in einer E-Mail schrieb, doch die teure Wärmebildkamera war eigentlich gut geschützt auf einem Stativ montiert gewesen.

Über eine Nacht hinweg wollte die Forscherin so das Verhalten der Flughunde in einem Mangobaum aufzeichnen. Sie ließ die Kamera am Abend zurück, doch als sie am nächsten Morgen zurückkam, um das Gerät abzuholen, erlebte sie einen Riesenschreck: Die Kamera war verschwunden, nur das Stativ und eine externe Batterie waren noch an ihrem Platz. Beide wiesen eindeutige Kratzspuren auf, die Verbindungskabel waren zerrissen.

Täter blieb unauffindbar

Alles wies darauf hin, „dass ein Palmendieb die Kamera abmontiert, die Kabel abgerissen und die Kamera mit in den Dschungel gezogen hatte“, schrieb Annabel Dorrestein. Ein Freund und sie hätten den Dschungel über Stunden abgesucht. „Dabei fanden wir viele große Palmendiebe, die sich versteckt hielten, aber keiner von ihnen hatte meine Kamera…“

Die Krustentiere hätten sie seit Beginn ihrer Doktorarbeit gequält, hatte sich die Biologin zuvor bereits beim lokalen Sender ABC beschwert. Doch bisher habe sie sie immer rechtzeitig dabei erwischt, wenn sie Sachen klauten, sei ihnen hinterher gelaufen und habe die Dinge zurückgeholt. Nur dieses Mal klappte das nicht…

Schon häufiger in dubiose Geschichten verwickelt

Wie genervt die junge Forscherin von den diebischen Krebsen ist, lässt sich selbst aus ihrer E-Mail herauslesen. Sie habe ja gewusst, dass die Tiere Dinge wie Stirnlampen, Essen oder sogar Schuhe klauen würden. „Aber das setzt dem Ganzen wirklich die Krone auf“, wetterte Dorrestein.

Normalerweise nutzen die Tiere ihre Geschicklichkeit und Stärke eher, um auf Palmen zu klettern und Kokosnüsse zu knacken. Doch die Krustentiere, die 80 bis 90 Jahre alt werden können, sind vermutlich auch vor diesem Diebstahl schon in „dubiose“ Geschichten verwickelt gewesen. So vermuten manche Forscher, dass Palmendiebe Überreste des Skeletts der 1937 verschollenen US-Pilotin Amelia Earhart verspeist haben könnten. Diese soll – so die Vermutung – nach einer Bruchlandung auf einem kleinen Atoll im Pazifik verhungert und verdurstet sein.

(Text: Barbara Barkhausen; Foto: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Christmas_Island_(5775069028).jpg?uselang=de)