Spieleindustrie Australien – Wie steht es um die Spieleentwickler Down Under?

Jetpack Joyride, Fruit Ninja, Spyro – all diese Games, die heute weltweite Beliebtheit genießen, wurden in Australien entwickelt. Unter den AAA-Spielen dieser Welt lassen sich allerdings keine australischen Entwickler finden. Noch vor 2010 hatte die australische Spieleindustrie Hochkonjunktur. Durch den schwachen Kurs des australischen Dollars waren die Entwickler dieses Landes damals eine beliebte Outsource-Adresse für die Spielefirmen aus aller Welt. Mit der Finanzkrise und dem stärkeren Dollar nach 2008 schwand dieser Vorteil und den Entwicklern des Landes wurde ein gewaltiger Rückschlag verpasst. Als würde das nicht reichen, lehnte Anfang des Jahres die Regierung Australiens jegliche Unterstützung der Spieleindustrie ab. Doch ist der Spielemarkt in Australien dem Untergang geweiht? Die Indie-Szene mag dem widersprechen.

Der Gaming-Markt in Australien

Neuesten Berichten zufolge wird in Down Under gerne gespielt: Laut der Interactive Games and Entertainment Association (IGEA), die sich der australischen Spieleindustrie angenommen hat, lag der Gesamtmarktwert 2017 in Australien bei sage und schreibe 3,23 Milliarden AUD. Im Vergleich zu 2016 konnte der Spielemarkt in Australien ein Wachstum in höhe von neun Prozent verschreiben. Der Gaming-Markt ist somit nicht nur sehr groß, sondern sogar am Wachsen. Vom Gesamtwert entfallen rund 1,18 Milliarden Dollar auf den physischen Einzelhandel, mit dem Verkauf von Spielesoftware, sowie Heimkonsolen und Zubehör. Die restlichen 2 Milliarden Dollar fallen auf digitale Inhalte, Abos und mobile Spiele. Laut Statista spielt bereits über ein Viertel der Australier Spiele auf dem Mobilgerät, bis 2022 sollen es sogar knapp unter 30 Prozent sein. Eindeutig zu erkennen: Die Australier lieben Spiele.

Spieleentwickler in Australien

Bei einer solch immensen Beliebtheit und Verbreitung des Gamings könnte man vermuten, dass die Australier unter den AAA-Spieleentwicklern der Welt zu genüge vertreten sein sollten. Aktuell ist dies aus verschiedenen Gründen nicht der Fall. Wie IGEA berichtet, sind in Australien weniger als 1.000 Menschen im Bereich der Spieleentwicklung angestellt. Es gibt insgesamt etwa 280 Game-Studios, einige von ihnen umfassen lediglich einen oder zwei Entwickler, bei anderen handelt es sich um größere Unternehmen. Im Geschäftsjahr 2016/17 konnten die australischen Spieleentwickler einen Umsatz von 118,7 Millionen australischen Dollar verzeichnen, ganze 80 Prozent des Umsatzes wurden aus dem Ausland generiert. Die australische Spieleentwicklung ist somit zu einem wesentlichen Teil auf ausländische Kunden angewiesen. Mitunter ist es die mangelnde Unterstützung durch die australische Regierung auf diesem Gebiet, wodurch australische Spieleentwickler auf der Weltbühne nicht vertreten sind.

Was kommt aus Down Under?

Photo Credit: FlickR

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Den Entwicklern in Australien wird es nicht gerade leicht gemacht, dennoch stammen einige Spielehits aus Down Under. Unter anderem das 2001 gegründete Big Ant Studios mit Sitz in Melbourne hat bereits einige bekannte Spiele entwickelt, die weltweit populär wurden. Sie wirkten bei der Entwicklung der Jump’n’Run-Serie Spyro mit dem lila Drachen mit und schufen das Spiel zum Film Hellboy. Beide genießen inzwischen fast schon Kultstatus. Im Frühjahr 2019, soll der nächste Hellboy-Film in die Kinos kommen und auch Online-Casinos wie Betway bieten Slots mit Hellboy-Theme an, um den unterhaltsamen Charakter auf verschiedensten Plattformen zum Leben zu erwecken. Der am Original-Comic von Mike Mignola orientierte Spielautomat von Microgaming besticht mit einer düsteren Optik und ungewöhnliche Soundtrack sowie 20 Gewinnlinien. Auch das Studio Halfbrick aus Brisbane sollte dem einen oder anderen Gamer aus aller Welt bekannt sein. So erfanden die Entwickler von Halfbrick das Trendspiels Fruit Ninja, das 2010 Spieler an ihre Mobilgeräte fesselte, die mit einem Katana Wassermelonen zerschlissen. Auch Jetpack Joyride stammt aus dem Hause Halfbrick. Bei beiden Spielen handelt es sich um zwei der der besten Gelegenheitsspiele aller Zeiten, hier haben die Australier Können und Kreativität bewiesen.

Bei den Australian Game Developer Awards werden die besten und innovativsten Entwickler des Landes ausgezeichnet. Der Newcomer Opaque Space aus Victoria, dem Staat, der für seine kulturellen Reize bekannt ist, hat hier im letzten Jahr sowohl den Titel für das „Spiel des Jahres“ als auch „Studio des Jahres“ abgeräumt. Sie haben sich auf das Gebiet der virtuellen Realität spezialisiert und bereits eine revolutionäre App für die Ausbildung in der Medizin entwickelt sowie das Weltraum-VR-Erlebnis Earthlight, das mit dem Titel „Spiel des Jahres“ geehrt wurde. Die australische Spieleentwicklung hat somit bereits einige wichtige und bekannte Produktionen auf die Beine gestellt.

Der Einsturz der australischen Spieleentwicklung

Die Finanzkrise 2008 zerstörte den australischen Spielemarkt zu großen Teilen. Der australische Markt war zuvor immens auf Einkommen aus dem Ausland angewiesen, sodass die Studios in erster Linie durch Aufträge aus u.a. USA und dem Vereinigten Königreich Umsätze erzielten, wie der CEO der Games Developer’s Association bekanntgab. Da der australische Dollar schwach war, konnten ausländische Firmen in die Region outsourcen und so Geld sparen. Es gab nur sehr wenige Produktionen, die im eigenen Land bleiben sollten. Durch die Finanzkrise gingen die ausländischen Aufträge drastisch zurück und da es in Australien nur wenig finanzielle Unterstützung durch den Staat gibt, gingen viele Studios pleite. Laut Angaben entfielen innerhalb von nur vier Jahren ganze 60 Prozent der australischen Industrie der Spieleentwicklung. Mit der Zeit schlossen immer mehr Firmen, von Pandemic 2009, zu Krome 2010, bis zu Blue Tongue 2011 und schließlich auch zu THQ 2013 und 2K im Jahr 2015. 2K Games hatte gerade erst das Actiongame Borderlands: The Pre-Sequel herausgebracht, bevor es seine Entwicklerstudios 2015 schließen musste, wie Golem berichtete. Die Finanzkrise zwang die Studios in die Knie. Doch die Talente der Entwicklerstudios blieben erhalten – man könnte sogar sagen, es bestand ein Überschuss an Talenten.

Australische Regierung lehnt Unterstützung ab

Als wäre die kritische Situation nach der Finanzkrise nicht ausreichend, zeigt sich auch die australische Regierung der Gamingindustrie gegenüber nicht gutgestimmt. Während zwar der Sektor für TV und Film reichlich Unterstützung erhält, wie man beim australischen Filmfestival in Berlin selbst erleben kann, erhält die Spieleentwicklung eine solche Unterstützung nicht. Laut Experten der Branche stellen Spiele eine große Möglichkeit für ein globales Geschäft dar, das eine Vielzahl an Vorteilen für den australischen Exportmarkt mit sich bringt. Australien könnte an der globalen, digitalen Wirtschaft teilhaben, doch die Regierung erkennt dies nicht an. 2016 wurde eine parlamentarische Untersuchung eingereicht mit acht Empfehlungen, die den australischen Spielemarkt unterstützen würden. Zwei Jahre nach Einreichung des Antrags gab die Regierung ihre Antwort: ein klares Nein.

Sieben der acht Empfehlungen werden nicht unterstützt, lediglich einer wurde stattgegeben: Die Regierung stimmt zu, dass „seriösen“ Spielen, die nicht nur der Unterhaltung dienen, sondern auch darüber hinaus eingesetzt werden können, Beachtung geschenkt werden sollte. Allerdings sieht sich die Regierung nicht selbst zuständig, die Industrie solle dies allein in die Hand nehmen. Jegliche Unterstützung des Staates, beispielsweise durch die Einrichtung eines Fonds, des Australian Interactive Games Fund, oder durch eine Steuererleichterung für den Spielemarkt, wurde somit abgelehnt. Die australische Regierung traf diese Entscheidung in einem globalen Umfeld, in dem staatliche Unterstützung des Spielemarktes bereits gang und gäbe ist. Sowohl in Kanada, den USA, dem Vereinigten Königreich und in Polen ist diese bereits vorhanden. Auch in Deutschland: Wie die FAZ berichtet, stellte Angela Merkel auf der Gamescom 2017 eine stärkere finanzielle Förderung für Spieleentwickler in Aussicht. Was bedeutet dies für den australischen Markt? Es besteht eine große Hürde, um auf dem globalen Spielemarkt mithalten zu können. Außerdem wandern talentierte Entwickler ab, die in Australien nicht die gleichen Karrierechancen geboten bekommen, wie im Ausland. Steht die australische Spieleentwicklung etwa vor dem Ende?

Aufstieg der Indie-Szene in Australien

Photo Credit: Unsplash

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Der Spieleentwicklung wurden in Australien zwar bereits einige Steine in den Weg gelegt, als tot darf sie jedoch noch lange nicht deklariert werden. Bereits nach der Finanzkrise und der Schließung vieler Studios bestand ein Überfluss an Entwicklertalenten ohne Job. Während einige von ihnen sich ins Ausland verabschiedeten, passten sich andere an. Der Talente-Überfluss ließ die Indie-Szene der australischen Gaming-Industrie aus der Asche emporsteigen. Der Finanzkrise folgte die Bekanntheit des iPhones und auf diesen lukrativen Markt wurde in Australien direkt aufgesprungen. Mit durchschlagendem Erfolg, wie sich bald zeigen sollte. Bekannte Games wie Fruit Ninja und Jetpack Joyride, aber auch Crossy Road, Shooty Skies und Flight Control stammen schließlich aus australischem Hause. Die Mehrheit der 280 Entwicklerstudios sind heute Indie-Entwickler, dessen Umsätze zwischen 80 und 150 Millionen Dollar liegen – exklusive multinationaler Studios. Besonders in Melbourne, der Stadt, die für ihre Kunstszene bekannt ist, gibt es eine Vielzahl an Studios. Ganze 50 Prozent aller australischen Entwickler sind hier angesiedelt, die häufig auch untereinander zusammenarbeiten. Anstatt nach Outsourcing zu suchen, versuchen viele von ihnen, eigene Produktionen auf die Beine zu stellen, wie etwa die Studios Hipster Whale, ihres Zeichens Entwickler von Crossy Road, oder Defiant Development, die Entwickler von Hand of Fate. Die Indie-Szene in der australischen Spieleentwicklung list also mehr als wohlauf.

Dass die Australier gerne Spiele spielen, steht außer Frage. Doch ob die Spieleentwickler aus Down Under dem Untergang geweiht sind, lässt sich stark anzweifeln, da individuelle Entwickler sich den Gegebenheiten des Landes erfolgreich angepasst haben. Wir können uns also sicherlich auf weitere spannende Produktionen aus Australien freuen.