South Australia: Seltener Anblick – Segelboote auf dem Lake Eyre

Normal ist der Lake Eyre in Südaustralien ausgetrocknet – eine weite Fläche aus Salzpfannen und roter Erde. Doch alle acht bis zehn Jahre füllt sich der See und wird zur Oase für Pflanzen und Tiere. Dieses Jahr hat der See so viel Wasser, dass selbst der lokale Jachtclub in See gestochen ist.

Im Outback Australiens, fast 700 Kilometer nördlich von Adelaide gelegen, ist eine der lebensfeindlichsten Regionen der Erde. Einen Jachtclub vermutet man in der einsamen Region eigentlich nicht, vor allem, da es hier kaum Wasser gibt. Der Lake Eyre – so spektakulär sich hier rote Erde und Salzpfannen mischen, ist meist ausgetrocknet und ähnelt mehr einer Wüste als einem See. In dem Salzsee, der eigentlich aus zwei durch einen Kanal verbundenen Seen besteht, liegt der tiefste und bezeichnenderweise auch der trockenste Punkt Australiens.

Wasser einmal pro Dekade

Doch alle acht bis zehn Jahre geschieht das Wunder: Es regnet in der Diamantina-Region im westlichen Queensland und im Northern Territory und die Flutwasser arbeiten sich dann in etwa zwei Monaten bis nach Südaustralien vor. 1000 Kilometer müssen sie dabei überbrücken.

Wenn dies geschieht, verfolgen die Menschen in Südaustralien den Vormarsch der Fluten im Warburton River gespannt, wie die Facebookseite des lokalen Jachtclubs verrät, dessen zehn Mitglieder (laut der Facebookgruppe) im Durchschnitt ebenfalls nur einmal in der Dekade in See stechen können. Verfolgt man ihre Einträge, scheinen die Mitglieder in diesem Jahr bereits die Hoffnung aufgegeben zu haben, als Anfang Mai dann doch noch die triumphierende Nachricht kam: „Der Warburton ist befahrbar.“

Jachten auf einem normal ausgetrockneten See

Zwei Tage, nachdem das Wasser den Lake Eyre erreicht hatte, hat ein Pilot der Fluggesellschaft Wrightsair, die ganzjährig Flüge über das Outback und den Lake Eyre anbietet, drei Segeljachten und ein kleines Boot auf dem See fotografiert. „Das war ein unglaublicher Anblick und absolut brilliant zu sehen“, sagte Mariano Salvati, der vor hat, in den kommenden Tagen auch selbst nochmal in See zu stechen.

Das Lake Eyre Basin im Inneren Australiens, das eine Million Quadratkilometer groß ist, gehört zu den Regionen Australiens mit dem geringsten Niederschlag. Normalerweise fallen weniger als 125 Millimeter Regen pro Jahr. Bäche und Bäche, die in den See fließen, sind meist knochentrocken.

Die Wüste erwacht zum Leben

Doch alle acht bis zehn Jahre bringen Überschwemmungen in den Bundesstaaten Queensland und im Northern Territory Wasser in die Region – obwohl vollkommen gefüllt war das Seebecken in den vergangenen 160 Jahren nur drei Mal. Das letzte Mal brachten die Überschwemmungen 2011 viel Wasser in die Region.

Wann immer dies passiert, erwacht die Wüste sprichwörtlich zum Leben. Vögel ziehen ein und die ansonsten ausgedorrte Landschaft wird grün, wenn plötzlich Wildblumen, Gräser und Schilf sprießen. „Der gesamte Lebenszyklus dieser Arten hat sich entwickelt, um gelegentliche, kurze Hochwasserwellen zu nutzen“, sagte Kenneth Clarke von der Universität in Adelaide der Nasa, die mit ihren Satelliten die Fluten ebenfalls verfolgt hat. „Wenn das Wasser zurückgeht, werden die Pflanzen fertig wachsen, blühen und Samen setzen – alles bevor die Feuchtigkeit im Boden erschöpft ist.“

Lake Eyre: Kulturstätte mit uralten Überraschungen                                                                 

Die Region ist nach wie vor eine wichtige Kulturstätte für die lokalen Ureinwohner – die Arabana-Aborigines. Europäer erblickten den See erstmals 1840. Nach dem Forscher Edward Eyre ist der See dann später auch benannt worden. Weltweite Schlagzeilen machte die Region im Januar 2016. Australische Wissenschaftler hatten am Silvesterabend einen Meteoriten dort entdeckt, der älter als die Erde war: über 4,5 Milliarden Jahre. Er soll aus einer Region zwischen Mars und Jupiter stammen. Der 1,7 Kilogramm schwere Meteorit war wohl Ende November 2015 in den Lake Eyre gestürzt und konnte dank eines relativ neuen Kameranetzwerks in der Region aufgespürt werden.

(Text: Barbara Barkhausen, Fotos: Copyright Wrightsair)