South Australia: „Dinosaurier-Ameise” soll Outbackort retten

Poochera in South Australia hat gerade mal 34 Einwohner. Der winzige Outbackort steht kurz vor dem Kollaps, doch eine „Dinosaurier-Ameise“ könnte jetzt helfend eingreifen. Sie hat es schon einmal zu ungeahnter Prominenz gebracht.

Nothomyrmecia macrops ist kein Tier, das man auf den ersten Blick mit Australien verbindet. Trotzdem wählte der Reisebuchautor Bill Bryson die Ameise in seinem allseits beliebten Klassiker „Frühstück mit Kängurus“ aus, um seinen Lesern den fünften Kontinent nahezubringen.

Und tatsächlich ist das Insekt das ideale Beispiel, um aufzuzeigen, was für ein außergewöhnliches Land Australien ist. Entdeckt wurde die „Dinosaurier-Ameise“, wie sie umgangssprachlich genannt wird, einst 1931, als einige Amateurnaturforscher auf der Halbinsel Cape Arid in Westaustralien herumstöberten. Das Tier, das sie einsammelten, sah vage aus wie eine Ameise, war aber ungewöhnlich hellgelb und hatte seltsame, starrende Augen, wie Bryson schrieb.

Als sich Ameisen aus Wespen entwickelten

Als die Ameise schließlich identifiziert wurde, war die Aufregung in der Wissenschaft groß. Denn es gab seit hundert Millionen Jahren nichts Vergleichbares auf der Erde: Nothomyrmecia macrops ist ein lebendes Relikt aus einer Zeit, als sich Ameisen aus Wespen entwickelten.

1977 wurden die ungewöhnlichen Ameisen, die ähnlich wie Wespen mit einem schmerzhaften Stachel ausgerüstet sind, auch in Poochera in Südaustralien gefunden. Der winzige Ort am Eyre Highway ist rund 640 Kilometer westlich von Adelaide gelegen.

Outbackort: Kurz vor dem Aussterben

Wie viele Orte im Outback Australiens kämpft auch Poochera seit Jahren ums Überleben. Die Schule ist seit den 1970ern geschlossen, der lokale Tante-Emma-Laden brannte 1987 ab und wurde danach nicht wieder aufgebaut. Nur noch das lokale Pub – das sogenannte Poochera Hotel – besteht bis heute und ist Kneipe, Postamt und Supermarkt in einem.

Außer einigen Touristen kommen Entomologen und Evolutionsbiologen vorbei, um die lebenden Fossilien zu studieren, doch seitdem das Roadhouse am Highway vor einigen Monaten geschlossen hat, stoppen zu wenige, um den Ort am Leben zu halten. „Es gibt einfach nicht wirklich viel, um Reisende in die Stadt zu locken und hier zu halten“, sagte Jeff Brown, der Betreiber des Poochera Hotels. Nicht genügend Leute wüssten bisher von der „Dinosaurier“-Ameise.

Ameise im Riesenformat

Deswegen soll nun ein großes Modell der Ameise, das bisher den Highway am Roadhouse zierte, in den örtlichen Park Poocheras verlegt werden. Dort gebe es auch Informationen über die Tiere und ein kleines Museum, sagte Brown. Der Australier hofft, dass zudem das 100-jährige Jubiläum der Gemeinde im Jahr 2020 helfen wird, den Ort und seine seltenen Ameisen weiter bekannt zu machen. Vor allem für die „Grauen Nomaden“, ältere Leute, die meist mit einem Wohnmobil einmal um Australien reisen, würde sich der Ort als Stopp anbieten.

Leicht zu finden sind die Ameisen für Urlauber allerdings nicht. Denn sie sind nachtaktiv und nisten im Boden. So müssen sich Besucher vermutlich damit begnügen, die seltenen Tiere auf Fotos und als Statue zu betrachten. Doch laut Dieter Hochuli, einem Ökologen an der Sydney University, sollte das Wissen um ihre schiere Existenz in Poochera faszinierend genug sein. Denn die Tiere seien wirklich etwas Besonderes, einfach „weil sie so einzigartig sind”, wie er dem australischen Sender ABC sagte. „Es gibt nirgendwo auf der Welt irgendetwas Vergleichbares.”

(Text: Barbara Barkhausen; Foto: By RW Taylor, CSIRO Entomology, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=35473288)