Rottnest Island: Glücklichstes Tier der Welt – aber nicht mehr auf Instagram

Das Quokka wird gerne das „glücklichste Tier der Welt“ genannt, vor allem weil das possierliche Kurzschwanzkänguru auf Fotos immer zu lächeln scheint. Quokka-Selfies sind seit einigen Jahren Garant für Instagram-Likes. Doch jetzt warnt das soziale Netzwerk vor „Tierquälerei“ und hat den Hashtag mit einer Warnung versehen. In Australien ist man empört.

Für alle, die den Quokka-Trend verpasst haben: Quokkas sind eine Beuteltierart, die auf Rottnest Island Insel (rund 20 Kilometer westlich von Perth in Western Australia) lebt. Auf Rottnest Island haben sich die ansonsten vom Aussterben bedrohten Quokkas in den vergangenen Jahren ausgesprochen gut vermehrt und sind zudem extrem zutraulich und menschenfreundlich. Sie lassen sich nicht nur gerne fotografieren, sondern scheinen auf Fotos auch noch über das ganze Gesicht zu grinsen.

Internettrend: Foto mit einem lachenden Quokka

Seit ein Artikel in der Huffington Post dies vor etwa fünf Jahren weltweit bekannt machte, fing der Trend an, dass Besucher Selfies mit den Tieren für soziale Medien schossen. Selbst Prominente wie der Tennisspieler Roger Federer oder Hollywoodstar Margot Robbie haben sich für Instagram mit den putzigen Beutlern abgelichtet.

Jetzt will das soziale Netzwerk die australischen Quokka-Selfies jedoch ausmerzen. Wer heute nach dem Hashtag #quokkaselfie sucht, erhält die Nachricht: „Schütze Wildtiere auf Instagram“, und darunter: „Sie suchen nach einem Hashtag, der möglicherweise mit Posts verknüpft ist, die schädliches Verhalten für Tiere oder die Umwelt fördern.“

Instagram räumt auf

Instagram nimmt es mit dem Thema Tierschutz inzwischen sehr ernst. Und das zu Recht: Erst im Oktober 2017 meldete die Tierschutzorganisation World Animal Protection, dass Touranbieter in manchen Teilen der Welt Tiere missbrauchen würden, damit Touristen Selfies mit ihnen machen können. Allein auf Instagram war die Anzahl von Wildlife-Selfies seit 2014 um 292 Prozent angestiegen. Darunter waren Fotos mit betäubten Tigern, mit nachaktiven und menschenscheuen Faulaffen oder Elefanten, die über Jahre hinweg misshandelt wurden, um die Nähe zu Menschen zu tolerieren. Dass Instagram diese Fotos inzwischen zu unterbinden versucht, wird allgemein begrüßt.

Dass die strikte Herangehensweise nun auch die Quokkas getroffen hat, hat in Australien jedoch zu einem Aufschrei geführt. Erst im vergangenen Monat hatte der Bundesstaat noch mit den Selfies für Touristen geworben. Auch die für die Insel zuständige Behörde hält die Instagram-Warnung für wenig hilfreich, wie ein Sprecher lokalen Medien sagte. Denn dadurch werde „die Öffentlichkeit nicht über Naturschutzbemühungen“ aufgeklärt oder erhalte keine Informationen, die Menschen dazu bewegen würden, „ein besseres Verständnis für diese einheimische Spezies zu entwickeln“.

Falsches Quokka-Verhalten wird streng geahndet

Tatsächlich steht der Schutz der Tiere schon heute an oberster Stelle auf der Insel. Denn außer den süßen Fotos ist so ziemlich alles andere verboten, was die Interaktion zwischen Mensch und Tier betrifft: Quokkas dürfen nicht angefasst werden und wer ein Quokka füttert, muss mit einer Strafe in Höhe von 150 australischen Dollar (94 Euro/110 Franken) rechnen. Quokkas zu verletzen oder zu quälen, kann Strafen bis zu 50.000 Dollar (31.000 Euro/37.000 Franken) oder bis zu fünf Jahren Gefängnis nach sich ziehen. Zwei französische Rucksacktouristen wurden 2015 zu einer Strafe in Höhe von jeweils 4000 Dollar (2500 Euro/über 2900 Franken) verurteilt, nachdem sie versucht hatten, ein Quokka anzuzünden. Nachdem sie die Strafe nicht zahlen konnten, verbrachten sie jeder sieben Tage in einem australischen Gefängnis.

Eine Tierforscherin kam in einer Studie sogar zu dem Ergebnis, dass „die Spezies vom Tourismus profitieren“ würde, wie Veronica Phillips dem lokalen Sender ABC im vergangenen Jahr sagte. Die Tiere waren demnach in von Urlaubern frequentierten Regionen gesünder und widerstandsfähiger als in einsam gelegenen Teilen der Insel. Die Tiere hatten laut Phillips sogar ihre Verhaltensweisen an die Touristen angepasst. „Sie sollten eigentlich nachtaktiv sein, aber sie haben ihre aktiven Phasen so verändert, dass sie tagsüber wach sind, um bei den Touristen zu sein und Essen von ihnen zu klauen“, sagte die Forscherin dem National Geographic.

Solange ein Quokka nicht gestresst sei und sich selbst einer Person annähere, hält auch die Säugetier-Expertin Christine Cooper von der Curtin Universität in Perth die Selfies für unproblematisch. „Was wir nicht sehen wollen, sind Leute, die sie belästigen und für ein Bild hinter ihnen herjagen.“ Wenn so etwas passiere, dann könnten die Selfies durchaus zum „zweischneidigen Schwert“ werden, wie sie der BBC sagte.

(Barbara Barkhausen)