Riesen-Krokodil wurde zu Unterrichtsmaterial

Bücher, Arbeitsblätter, Videos – das ist Standard-Unterrichtsmaterial. In einer australischen Schule kam nun ein eher ungewöhnliches Lehrmittel zum Einsatz: Das größte Krokodil der Region wurde nach seinem Tod in voller Lebensgröße vorgeführt, um vor den Gefahren der Reptilien zu warnen.

4,72 Meter – oder in etwa so lang wie ein durchschnittliches Auto – war das Krokodil, das den Wildhütern im MacArthur River im Northern Territory in die Falle gegangen war. Es war das größte Exemplar, das die Wildhüter in diesem Jahr bisher eingefangen haben, um Regionen sicher zu halten, in denen sich viele Menschen aufhalten.

Meist werden diese gefangenen Tiere zu Krokodilfarmen gebracht, doch das „Monster-Krokodil“ befand sich in so schlechtem Zustand, dass es eingeschläfert werden musste. Die Wildhüter fanden schließlich aber doch noch einen Nutzen für das furchterregend große Raubreptil. Sie transportierten es in die lokale Schule, um die dortigen Kinder auf die Gefahren von Salzwasserkrokodilen aufmerksam zu machen.

Einheimische ignorieren oft Warnschilder

Mit den Schulkindern sprachen sie darüber, dass Warnschilder stets beachtet werden müssen und man im Zweifel grundsätzlich lieber nicht ins Wasser gehen sollte. Einheimische waren zuvor nur 50 Meter von der Falle, in der das Krokodil gefangen worden war, beim Schwimmen beobachtet worden.

„Trotz aller Beschilderung und all der Crocwise-Kampagnen, die wir in allen Gemeinden haben, scheinen die Menschen immer noch keine Warnschilder zu beachten“, sagte der Wildhüter Andrew Peckham dem lokalen Sender ABC. Deswegen hätten sie beschlossen, das angsteinflößende Krokodil in die Schule zu bringen, um den Kindern zu zeigen, dass die Tiere echt sind.

Salzwasserkrokodile stehen unter Artenschutz

Das zweitgrößte Krokodil in diesem Jahr war im Juli in der Nähe von Katherine gefangen worden, nachdem das Tier ein jahrzehntelanges Versteckspiel gespielt hatte. Es maß mit einer Größe von 4,71 Metern nur einen Zentimeter weniger als das jetzige Krokodil. Das mit 6,4 Metern bisher größte Tier war den Wildhütern laut der lokalen Regierung 1974 im Mary River ins Netz gegangen.

Salzwasserkrokodile sind in den Gewässern im tropischen Norden Australiens keine Seltenheit mehr. Sie haben sich, seit sie seit den 1970ern unter Artenschutz stehen, wieder deutlich vermehrt. Heute leben wieder über Hunderttausend im Norden Australiens.

Krokodile finden wieder nach Hause

Die Regionalregierung im tropischen Norden überwacht die Population jedoch und entfernt problematische Krokodile mit Hilfe von etwa 80 Krokodilfallen. Jedes Jahr werden so mehr als 250 Problemtiere entweder in Krokodilfarmen umgesiedelt oder notfalls getötet. Laut der Regierung des Northern Territorys können gefangene Krokodile nicht in ihrem natürlichen Lebensraum verlegt werden. Dies geschieht zum einen nicht aus Kostengründen und zum anderen, da die Tiere große Entfernungen zurücklegen können, um wieder in ihre Heimatregion zurückzukehren.

Grundsätzlich sind Krokodilattacken eher selten, sie kommen aber vor, wenn Menschen Warnschilder im tropischen Norden ignorieren und zu nah an Wasserstellen oder ins Wasser gehen. So wurde eine Frau Anfang Oktober im Northern Territory von einem Salzwasserkrokodil angegriffen und getötet, als sie mit ihrer Familie in hüfttiefem Wasser fischen gegangen war.

Text: Barbara Barkhausen; Foto Credit: Department of Tourism and Culture