Red Centre: Urlauber stürmen den Uluru

Ab Ende Oktober wird der Uluru auf Wunsch der Ureinwohner gesperrt. Dann darf keiner mehr den symbolträchtigen Berg im Zentrum Australiens besteigen. Doch nicht jeder will das akzeptieren. Heerscharen an Urlaubern reisen an, um den Uluru noch zu bezwingen. Ein Kletterer kämpft sogar darum, die Entscheidung rückgängig zu machen.

Der Uluru ist der heilige Berg Australiens. Für die lokalen Ureinwohner, die Anangu, hat er eine besondere Bedeutung. Ihre Traditionen erzählen von Ursprungswesen, die die einst leere Erde überquerten und dabei Landschaftsformen wie den Uluru hinterließen. Andere Geschichten berichten von Schlangen oder von zwei Jungen, die im Schlamm spielten und so den Uluru erschufen. „Dieser Felsen bedeutet alles für uns Anangu”, beschrieb die indigene Frau Pamela Taylor einst ihre Beziehung zum Uluru.

37 Menschen kostete der Uluru das Leben

Bisher hatten die Ureinwohner es Besuchern nicht verboten, den Uluru zu besteigen. Ein Schild weist jedoch in sechs Sprachen darauf hin, doch bitte nicht zu klettern. Trotzdem marschierten bisher tausende Urlauber auf den Inselberg, der fast 348 Meter hoch aus dem sonst sehr flachen Outback ragt.

Immer wieder fielen Besucher dabei auch mit Benehmen auf, das die lokalen Aborigines beleidigte oder verletzte, für die das gesamte Gebiet eine heilige Stätte ist. 2010 strippte eine französische Frau beispielsweise auf der Spitze des Berges und ließ sich im Bikini fotografieren. 37 Menschen starben zudem seit den 1950ern während oder nach dem Aufstieg. Seit diesem Zeitpunkt werden Aktivitäten auf dem Uluru, der seit 1987 Weltkulturerbe ist, offiziell dokumentiert.

„Kein Spielplatz oder Freizeitpark wie Disneyland“.

Immer wieder haben die Ureinwohner darüber diskutiert, wie mit dem unerwünschten Aufstieg zum Uluru umgegangen werden sollte. Nach einer Konsultation des lokalen Anangu-Volkes beschloss ein Gremium aus acht Ureinwohnern und drei Repräsentanten der Nationalparkbehörde im November 2017 schließlich, den Weg auf den Felsen ab Ende Oktober 2019 ein für alle Mal zu sperren. Ihre Begründung: Der Uluru sei ein extrem wichtiger Ort und „kein Spielplatz oder Freizeitpark wie Disneyland“.

Die Kette, die bisher den Weg markiert und Wanderern Halt gibt, soll dann entfernt werden. Wer danach trotzdem noch klettert, macht sich strafbar – zwei Jahre Gefängnis oder 60.000 australischen Dollar (38.000 Euro/43.000 Franken) Strafe sind veranschlagt.

Kletterten die Ureinwohner früher selbst auch?

Noch ist der Aufstieg jedoch legal. Deswegen reisen derzeit Menschen aus aller Welt zum Uluru, um den Berg noch schnell vor der Schließung zu besteigen. „Der Blick von oben ist ein echtes Landschaftserlebnis“, sagt Marc Hendrickx, ein Geologe aus Sydney. In seinen Augen ist der Aufstieg ein „Erlebnis für die ganze Welt“. Deshalb kämpft er dafür, den Weg zu erhalten. Hedrickx argumentiert sein Anliegen, das er sogar vor die Menschenrechtskommission gebracht hat, damit, dass noch in den 1950er und -60er Jahren Aborigines selbst Urlauber auf den Uluru gebracht haben. So zeigt ein Film aus den 1940er Jahren die Ureinwohner Tiger Tjalkalyirri und Mitjenkeri Mick, wie sie eine Tour auf den Gipfel führen. Außerdem sei der Ausblick einer der Gründe gewesen, warum der Uluru 1987 zum Weltnaturerbe ernannt wurde.

Parkmanager Steven Baldwin hält dagegen, dass er keinen Ureinwohner in der heutigen Zeit kenne, der der Schließung nicht zustimme. Im Gegenteil: „Die Entscheidung zeigt, dass die Kooperation zwischen der Parkleitung und den Anangu funktioniert.“ Letztere waren erst 1979 als die traditionellen Eigentümer des Landes anerkannt worden, obwohl sie seit mehreren tausend Jahren in der Region leben. Sechs Jahre später wurde der Uluru offiziell an sie zurückgegeben, wobei der Australian Parks and Wildlife Service gleichzeitig das Management übernahm. Seit 2001 arbeiten nun auch Aboriginal Ranger im Park.

Vor allem Familien reisen an

Auch Baldwin berichtet, dass aufgrund der anstehenden Schließung deutlich mehr Urlauber anreisen und klettern, als noch zuvor. Medienberichte, die von 500 Menschen pro Tag anstatt von 50 bis 140 sprechen, will er jedoch nicht bestätigen. „Es reisen viele Familien an“, sagt er. Die Eltern seien dabei in ihrer Jugend selbst geklettert und würden das Erlebnis nun auch ihren Kindern noch ermöglichen wollen. Auch Marc Hendrickx, den Baldwin kennt und schätzt, reiste deswegen nochmal mit seinen beiden Töchtern zum Uluru.

Obwohl die Vorbereitungen für die Schließung bereits laufen – Baldwin stockt sein Medienteam gerade auf und die Parkverwaltung sucht nach einer Firma, die die Kette und ein Steinmonument auf dem Gipfel entfernen kann – will Hendrickx nicht aufgeben. Er respektiere die Ureinwohner sehr, sagt der Geologe, doch die Entscheidung der Schließung sei verfrüht gefallen. Mit Hilfe einer Crowdfunding-Kampagne hofft der Australier, die Entscheidung in den kommenden Monaten juristisch doch noch anfechten zu können.

(Text: Barbara Barkhausen; Foto: Hendrickx)