Nach Kontroverse: Sydneys Silvesterfeuerwerk könnte vor dem Aus stehen

Sydneys weltberühmtes Silvesterfeuerwerk könnte der Vergangenheit angehören. Nachdem die Raketen zur Jahreswende 2019/20 wegen der Buschfeuer eine landesweite Debatte ausgelöst haben, überlegt die Stadt, den Hafen künftig mit Hunderten von Drohnen zu erleuchten.

In Sydney überlegt man laut eines Berichts des Sun-Herald, die jährliche Feuerwerks-Extravaganz durch eine Drohnen-Lichtshow zu ersetzen. Letztere wird weltweit immer beliebter: Singapur und Shanghai haben bereits das Jahr 2020 mit solchen Shows eingeläutet. Die Show in Shanghai fand dabei aber nicht an Silvester selbst statt, sondern wurde „voraufgezeichnet“, wie sich später herausstellte.

Sydneys Feuerwerk ist weltberühmt: Bilder der farbenfrohen, schillernden Raketen, die den Nachthimmel über dem Hafen und der berühmten Hafenbrücke erleuchten, gehen um die Welt. Rund eine Milliarde Menschen schaut weltweit zu – ein besseres Marketing für die Stadt und ganz Australien ist kaum vorstellbar.

Petition forderte Absage des Feuerwerks

2019 wurden 5,8 Millionen australische Dollar, umgerechnet fast 3,6 Millionen Euro, für das Lichterspektakel ausgegeben, doch Schätzungen gehen davon aus, dass der Silvesterabend der Wirtschaft im Gegenzug 133 Millionen Dollar bzw. rund 82 Millionen Euro einbrachte. Dieses Jahr sollen sogar 6,5 Millionen Dollar geflossen sein, also über vier Millionen Euro.

Doch die Jahreswende 2019/20 sah erstmals großen Widerstand gegen die Raketen, die um 21 Uhr und später um Mitternacht den Himmel der Millionenstadt erleuchten. Nachdem zur gleichen Zeit schwere Buschfeuer im Land wüteten, plädierten Tausende in einer Petition dafür, das Feuerwerk abzusagen und die Millionen lieber in die Regionen zu investieren, die von Dürre und Feuern betroffen waren.

Zeichen der Fortschrittlichkeit

Am Montag stellte deswegen der liberale Stadtrat Craig Chung den Antrag, die Machbarkeit einer solchen Drohnen-Lichtshow zu überprüfen. „Als erste große Stadt, die Neujahr feiert, sind alle Augen auf uns gerichtet“, sagte Craig Chung dem Sun-Herald. „Es wäre ein großartiges Signal für die Welt, dass Sydney fortschrittlich ist und nach Wegen sucht, wie es Emissionen reduzieren kann.“ Sydneys Oberbürgermeisterin Clover Moore hat bisher keinen Kommentar abgegeben, die lokale Zeitung spekulierte aber, dass sie – basierend auf früheren Bemerkungen – der Idee offen gegenüber stehen könnte.

Sydney wäre allerdings nicht die erste Metropole mit solch einer Show. Neben Singapur und Shanghai feierte auch Südkorea 2018 die Olympischen Winterspiele mit 1200 Drohnen am Himmel. In den USA flankierte ein Drohnen-Lichtspiel einen Auftritt von Lady Gaga und Frankfurt am Main feierte die Eröffnung der „Neuen Altstadt“ mit einer Drohnenshow.

Bei Wind Silvester verschieben?

Die Vorteile der mit LED-Lichtern ausgestatteten Drohnen sind, dass sie programmierbar und wiederverwendbar sind und nicht die gleiche Luft- und Lärmbelastung wie Feuerwerkskörper mit sich bringen. Außerdem sollen die Shows nur einen Bruchteil dessen kosten, was bisher für Raketen ausgegeben wurde.

Allerdings sind sie auch vom Wetter abhängig: Denn wenn es stürmt oder regnet, müssen die Drohnen am Boden bleiben. Silvester „notfalls“ zu verschieben oder zur Sicherheit „vorab aufzuzeichnen“, wie die Chinesen dies taten, kommt in Australien sicherlich nicht in Frage. Craig Chung gestand zudem ein, dass die Show „ähnlich spektakulär” sein müsse wie das bisherige Feuerwerk.

Denkbar wäre deswegen vielleicht eine Mischung: Nicht umsonst band die Silvestershow in Sydney auch bisher schon den einen oder anderen Lichteffekt mit ein. In diesem Jahr wurde beispielsweise mithilfe der Sydney Harbour Bridge der hellste Lichtstrahl der südlichen Hemisphäre erzeugt.

(Text: Barbara Barkhausen)