Motorrad-Panne in den Kimberley: Mann stirbt in der Gluthitze des Outbacks

Die Extremtemperaturen im Outback haben einem erfahrenen Motorradfahrer in Western Australia das Leben gekostet. Der tragische Tod des Abenteurers noch vor Sommerbeginn auf der Südhalbkugel ist eine frühe Warnung vor den Gefahren, denen Reisende in den einsamen Regionen Australiens ausgesetzt sind.

Es war einer dieser Träume, die viele auf ihrer „Bucket List“ führen, also auf der Liste der Dinge, die Menschen vor ihrem Tod noch erleben wollen. Daniel Price erfüllte sich mit seiner Solo-Tour genau solch einen Traum: Mit dem Motorrad sollte es von Darwin im Norden des Landes bis in den Minenort Karratha in Western Australia gehen. Die 2600 Kilometer lange Strecke ist einsam und landschaftlich spektakulär.

Doch der Australier, der ein erfahrener Motorradfahrer war, hatte die Temperaturen, die im tropischen Norden des Landes bereits im Frühling weit über 40 Grad kletterten, unterschätzt. In der abgelegenen Kimberley-Region verstarb der 31-Jährige. Vermutlich als Folge schwerer Dehydrierung.

Mit dem Motorrad im Matsch steckengeblieben

Zuletzt war er mit seiner Familie am vergangene Montag in Kontakt gewesen. Als er dann am Donnerstag nicht wie geplant bei seiner Arbeitsstelle auftauchte, kontaktierten die Angehörigen die Behörden und meldeten ihn als vermisst. Die Polizei fand ihn schließlich am Wochenende tot auf. Der Australier war auf einem Seitenweg der Gibb River Road, eine der Hauptrouten durch die Kimberley-Region, mit seinem Motorrad im Matsch steckengeblieben. Sämtliche Straßen in der einsamen Region sind ungeteert und vor allem nach Regenfällen oft schwer oder gar nicht befahrbar.

Obwohl Price laut Medienberichten Wasser, Lebensmittel und sogar eine Campingausrüstung bei sich hatte, scheint ihm die Gluthitze im Nordwesten Australiens zu sehr zugesetzt zu haben. Die Polizisten beschrieben den Leichnam als stark dehydriert. „Wir fanden ihn an einem Ort auf, der zu dieser Jahreszeit sehr abgelegen, harsch und unpassierbar war“, sagte der lokale Polizeiinspektor Greg Crofts dem australischen Sender ABC.

Riesiges Suchgebiet konnte eingegrenzt werden

Dass die Polizei den 31-Jährigen trotz der enormen Reichweite der Region – die Kimberley-Region ist über 400.000 Quadratkilometer groß, die Gibb River Road 660 Kilometer lang, so schnell aufspürte, liegt daran, dass die Beamten das Handy des Opfers bis zu einem Mobilfunkturm in Wyndham verfolgen und die Suche somit einschränken konnten.

Der Fall ist besonders erschütternd, da Price eigentlich Erfahrung mit den Bedingungen in der Region hatte: Der Lastwagenfahrer, der für einen Metallverarbeitungsbetrieb in Karratha arbeitete, rühmte sich auf seinem LinkedIn-Profil zudem als jemand, der „ein Auge für Sicherheit“ hat und eine „Fähigkeit, potenzielle Gefahren zu entdecken und zu entschärfen“.

Tragische Fälle mehren sich

Der Tod des Australiers ist dabei nicht die einzige aktuelle Outbacktragödie in Westaustralien. Erst am letzten Oktoberwochenende starb ein 27-Jähriger beim Wandern im Kalbarri National Park. Auch in seinem Fall wird Dehydrierung aufgrund der extremen Hitze in der Region vermutet. Seine Freunde, die mit ihm unterwegs waren, konnten ihn nicht retten, nachdem er während der Wanderung zusammengebrochen war.

Auch Urlauber unterschätzen die Extrembedingungen im Outback immer wieder. So starb im vergangenen Jahr ein deutsches Ehepaar bei einer Wanderung in der idyllischen Trephina Schlucht, etwa 85 Kilometer östlich von Alice Springs. Auch in ihrem Fall wurde vermutet, dass der 76-jährige Mann und die 73-jährige Frau den australischen Extremtemperaturen zum Opfer gefallen waren. Auf dem letzten Foto, das das Paar geschossen hatte, war die Urlauberin noch „gut gelaunt”, doch ohne Hut und mit nur einer kleinen Wasserflasche zu sehen gewesen, wie die Polizei damals bekanntgab.

Australische Medien schrieben, die tragischen Fälle seien eine Warnung, bei Fahrten im australischen Outback ungewöhnlich viel Sorgfalt und Planung walten zu lassen. Neben ausreichenden Vorräten an Wasser und Verpflegung wird zudem empfohlen, andere genau über seine Pläne zu informieren und ein Satellitentelefon oder eine EPIRB/Notfunkbake, einen kleinen Funksender, bei sich zu tragen. Im Falle einer Panne sollte man bei seinem Fahrzeug auf Rettung warten.

Barbara Barkhausen