Melbourne: Lecker, leckerer, Brokkoli-Kaffee

Nach der Roten-Beete-Latte kommt jetzt der Brokkoli-Kaffee. Das neue Getränk aus Australien ist jedoch kein schicker Trend, sondern die aktuelle Empfehlung der nationalen Forschungsagentur des Landes. Denn was tut man nicht alles für eine gesunde Ernährung…

Es ist so eine Sache mit dem Brokkoli. Offiziell gilt das Gemüse als extrem gesund:  Ballaststoffe, Vitamin A, B1 und B6, Kalium, Zink und Magnesium stecken in den grünen Röschen. Brokkoli beugt Krebs vor und enthält sogar eine Substanz, die die Haut vor schädlicher UV-Strahlung schützt. Ein Wunder-Gemüse also.

Brokkoli lässt sich gut pulverisieren

Doch der Geschmack des grünen „Allheilmittels“ sagt bei Weitem nicht jedem zu. Der frühere US-Präsident George Bush Senior ging einst sogar so weit, das Gemüse 1990 öffentlichkeitswirksam aus der Air Force One zu verbannen. Seine Worte: „Ich bin Präsident der Vereinigten Staaten, und ich werde keinen Brokkoli mehr essen“, nahmen verärgerte Brokkolizüchter zum Anlass, um gleich mehrere Tonnen des Gemüses ans Weiße Haus zu schicken.

Australiens nationale Forschungsagentur CSIRO glaubt nun aber die Lösung für alle Brokkoli-Hasser gefunden zu haben. Ein Forschungsprojekt hat das grüne Gemüse als Hauptkandidaten für das Pulverisieren identifiziert und dabei auch festgestellt, dass das Pulver gut mit Kaffee funktioniert. Bei der Kaffeezubereitung wird das grüne Brokkoli-Gemisch der Milch zugegeben, bevor diese aufgeschäumt wird. Etwas mehr Pulver kann zur Zierde darüber gestreut werden.

Zwei Drittel aller Erwachsenen essen nicht genug Gemüse

Da nach Aussagen der CSIRO zwei Drittel aller Erwachsenen täglich nicht genug Gemüse bekommen, hofft die Forschungsagentur, dass die pulverisierte Form des Brokkolis den Menschen helfen wird, die empfohlene Menge leichter zu erreichen. „Zwei Esslöffel Brokkolipulver entsprechen einer Portion Gemüse“, sagte die CSIRO-Lebensmittelwissenschaftlerin Maryann Augustin dem australischen Sender ABC.

Die Forschungsagentur will mit dem neuen Produkt nicht in Konkurrenz zu bestehenden Superfood-Produkten treten. Vielmehr hofft sie, dass mit dem Produkt, das von dem Agrar-Unternehmen Hort Innovation produziert wird, vor allem überschüssiges Gemüse sinnvoll verarbeitet werden kann, das Bauern aufgrund seiner Form, Größe oder Farbe nicht an Supermärkte verkaufen können.

Erste Tester reagierten mit Skepsis

Ein Café in Melbourne serviert den Brokkoli-Kaffee bereits, doch erste Tester reagierten nicht ebenso begeistert wie die Wissenschaftler, die das Pulver entwickelten. In einem Video ist ein Tester zu sehen, der erst noch erstaunt nickt und sagt, „ja, das ist in Ordnung“, bevor der Nachgeschmack ihn dann doch das Gesicht verziehen lässt.

Doch die positive Einstellung ist alles – nicht umsonst erklärte einst Barack Obama den Brokkoli vor einer Gruppe Kindern öffentlich zu seinem Lieblingsessen. Ob er damit für den Fehltritt seines Vorgängers George Bush büßte oder die Kinder positiv beeinflussen wollte, ist natürlich nicht bekannt.

(Barbara Barkhausen, Foto: CSIRO)