Koala-Massaker schockiert Australien

Dutzende Koalas sind tot oder verletzt auf einer Holzplantage in Australien aufgefunden worden. Die Eukalyptusbäume waren anscheinend im Dezember abgeholzt worden. Nachdem die Buschfeuer bereits zehntausende Koalas das Leben gekostet haben, wiegt der Verlust der Tiere besonders schwer.

Helen Oakley ist das Entsetzen ins Gesicht geschrieben. Die Australierin war die erste, die die toten Koalas auf einer Eukalyptusplantage in der Nähe von Cape Bridgewater im Bundesstaat Victoria gefunden hatte. Auf einem Video auf Facebook berichtete sie am Wochenende tränenüberströmt über die toten Tiere. „Dort liegen überall tote Koalas“, sagte sie. „Getötete Mütter und ihre kleinen Babys. Australien sollte sich dafür schämen. Wir brauchen Hilfe.“

Berichte von hungernden Koalas

Dutzende, möglicherweise sogar mehrere hundert Koalas kamen ums Leben, nachdem die Eukalyptusplantage anscheinend bereits im Dezember abgeholzt worden war. Einige der Beutler wurden wohl von Bulldozern getötet, andere verhungerten in den wenigen verbliebenen Bäumen.

Zunächst seien Berichte über hungernde Koalas eingegangen, deren Lebensraum von der Plantagenfirma abgeholzt worden war, hieß es vonseiten der Umweltschutzgruppe Friends of the Earth. Vor ein paar Tagen hätten Einheimische dann miterlebt, wie tote Koalas auf einen Haufen zusammengeworfen worden seien.

Rettungsaktion hat begonnen

Alarmierte Tierschutzgruppen haben inzwischen Teams entsandt, um möglichst viele Koalas zu retten. „Wir sammeln immer noch Details zu dem, was in diesem Fall geschehen ist, aber es scheint, dass verschiedene Gesetzesverstöße vorliegen“, hieß es vonseiten der Tierschutzgruppe Animals Australia. Darunter sei auch Tierquälerei.

Ein Vertreter des Umweltministeriums, das inzwischen auch vor Ort ist, sagte dem lokalen Sender ABC, dass etwa die Hälfte der 120 Koalas, die man vorgefunden habe, bisher untersucht worden sei. 25 Tiere hätten eingeschläfert werden müssen. Die Überlebenden würden „zu einem späteren Zeitpunkt rehabilitiert“ werden, meinte Andrew Pritchard. Wie viele Tiere genau ums Leben gekommen sind, ist bisher unklar, es wird jedoch befürchtet, dass mehrere hundert Koalas gestorben sein könnten.

„Kaltblütiger Akt von Tierquälerei“

Das Unternehmen, das für das Massaker an den Beuteltieren verantwortlich ist, konnte bisher nicht eindeutig ausfindig gemacht werden, obwohl die Umweltschutzgruppe Friends of the Earth in ihrer Mitteilung bereits Namen nennt. Normalerweise bestehen strenge Protokolle zum Schutz der Beutler, wenn Eukalyptusplantagen „abgeerntet“ werden. Sogenannte „Koala-Spotter“ müssen die Bäume nach Tieren absuchen, bevor ein Baum gefällt werden darf, so dass man Tiere vorab entfernen und umsiedeln kann. Dem Gesetz nach müssen die Holzfirmen auch das spätere Wohlergehen der Koalas sicherstellen. Die Strafen für Verstöße betragen mehrere tausend Dollar.

Die Australian Forest Products Association hat das Koala-Massaker verurteilt. Der Verbandsvorsitzende Ross Hampton sagte, die Forstindustrie sei „entsetzt über diesen kaltblütigen Akt von Tierquälerei“. Er forderte die volle Härte des Gesetzes gegenüber den Verantwortlichen.

Zehntausende kamen in den Feuern um

Die Bilder der toten und verletzten Koalas haben Menschen in ganz Australien schockiert. Der Verlust wiegt besonders schwer, nachdem Zehntausende auch in den Feuern, die seit Monaten in Australien brennen, ums Leben kamen. So soll in dem australischen Naturparadies Kangaroo Island mehr als die Hälfte der insgesamt 50.000 Koalas verbrannt sein. Über 8000 Koalas sollen auch im Bundesstaat New South Wales, in dem Sydney liegt, gestorben sein. Vor allem um den Küstenort Port Macquarie ist eine wichtige Koala-Population stark dezimiert worden. Das dortige Koala-Krankenhaus kämpft nach wie vor, die Überlebenden zu versorgen und wieder gesund zu pflegen.

Forscher der Universität in Sydney schätzen, dass rund 330.000 Koalas in Australien leben. Die Universität von Queensland geht von 120.000 bis 300.000 Tieren aus (Stand November 2019). Vor allem die Koalapopulationen in den Bundesstaaten Victoria und Südaustralien galten bisher als stabil oder nahmen sogar zu. Koalas im Osten des Landes – in den Staaten Queensland und New South Wales – sind dagegen bedroht. In diesen bevölkerungsreichen Staaten haben Infrastrukturprojekte Wohnräume der Tiere zerstört und auch Hunde und Straßenverkehr bedrohen die Beutler, die 18 bis 20 Stunden am Tag schlafen. Zudem dezimiert die sogenannte Chlamydia-Infektion die Baumbewohner, die durch die Krankheit erblinden und unfruchtbar werden. Seit einigen Jahren machen auch die Folgen des Klimawandels das Leben der Koalas schwieriger. Extreme Temperaturen und langanhaltende Dürren machen den Eukalyptus, den die Koalas fressen, trockener und härter.

Barbara Barkhausen