Indigene Medizin findet Anerkennung

Immer häufiger finden in Australien auch traditionelle Heiler Platz in Krankenhäusern und Gesundheitszentren. Die sogenannten Ngangkari arbeiten mit ihren Händen und teilen ihr Wissen über die Buschmedizin.

Über 60.000 Jahre hinweg haben die Aborigines ihr Wissen untereinander weitergegeben. Bisher kannte auch in Australien kaum jemand den Begriff Ngangkari oder war schon einmal bei solch einem Aboriginal Heiler. Doch inzwischen findet ihr Wissen immer mehr Anerkennung in der westlichen Medizin. Das Royal Adelaide Hospital in Südaustralien sowie mehrere ländliche Kliniken arbeiten inzwischen mit den indigenen Medizinern zusammen.

Unterschiedliches Wissenssystem

Die Anangu Ngangkari Tiutaky Aboriginal Corporation (Antac) beschäftigt zehn bis 15 Heiler, die zu Terminen aus ihren Gemeinden anreisen. „Zu einem Termin gehört auch ein guter Yarn, ein Gespräch“, sagt Francesca Panzironi, die Antac seit über sechs Jahren leitet. Dies sei ein wichtiger Teil der Behandlung. Danach würden die Ngangkari ihre Patienten mit den Händen „heilen“. Dabei geht es nicht nur um Massagen – zum Beispiel, um den Schmerz in der Schulter eines Patienten zu lindern – sondern auch darum, den „Spirit“ oder „Geist“ eines Menschen wieder besser auszurichten.

Nicht alle westlichen Ärzte würden positiv auf diese Ansätze reagieren, sagt Panzironi. „Aber die Ärzte, die die entlegenen Regionen im Norden Australiens kennen, reagieren positiv auf die Ngangkari.“ Sie würden die Behandlung eines Patienten als Teamaufgabe sehen und das „unterschiedliche Wissenssystem“ schätzen.

Pflanze mit entzündungshemmenden Eigenschaften

„In Südaustralien haben praktische Ärzte Patienten, die unter einem Trauma oder Depressionen leiden, bereits an Ngangkari überwiesen“, sagt Panzironi. In einem Fall wollte der Patient eigentlich die Dosis seiner Antidepressiva erhöhen, die er täglich bekam, aber nach der Behandlung durch den indigenen Heiler war dies nicht mehr notwendig.

Ein weiterer Bestandteil der indigenen Medizin ist das Wissen um Buschmedizin. Irmangka-irmangka-Blätter werden beispielsweise von den Ngangkari gepflückt und mit Olivenöl und Bienenwachs zu einer Paste verarbeitet, die auf die Haut aufgetragen wird. Sie hilft bei Erkältungen, aber auch bei Insektenstichen, Gelenkschmerzen, Ausschlägen, Kopfschmerzen, Rheuma, Arthritis und Muskelschmerzen. „Die Pflanze hat entzündungshemmende Eigenschaften“, weiß Panzironi.

Selbst Krebs wurde schon mit Buschmedizin behandelt

Auch etlichen anderen Pflanzen im australischen Busch werden medizinische Fähigkeiten zugeschrieben. So soll der morgendliche Tau der Blüten von Boronia ledifolia einen rauhen Hals heilen. Die innere, weiche Rinde von Melaleuca benutzen die Ureinwohner als Pflaster und um sie auf Wunden aufzulegen. Der Puder zwischen den Rindenschichten agiert dabei als Antiseptikum. Aus den Blättern des Baumes lässt sich wiederum eine Flüssigkeit brauen, die Kopfschmerzen und Erkältungskrankheiten mildert.

Die Samen der Regenwaldpflanze Fontainea picrosperma, auch Fountains Blushwood genannt, machten 2014 sogar weltweite Schlagzeilen. Die töteten bei Tierversuchen 75 Prozent aller Tumore ab und sind ein Hoffnungsträger für bestimmte Krebsbehandlungen.

(Text: Barbara Barkhausen / Foto Credit: Antac)