Hoffnung für Koalas

Wissenschaftlern ist es erstmals gelungen, die Erbinformation der Koalas umfassend zu entziffern. Damit enthüllten sie das Geheimnis, warum die Beutler die giftigen Eukalyptusblätter vertragen können und hoffen auf eine verbesserte Impfung gegen eine Krankheit, die das Überleben der Tiere gefährdet.

Koalas haben es nicht leicht. Die Beutler, die den Großteil des Tages verschlafen, sind in Teilen Australiens vom Aussterben bedroht. Das Abholzen großer Flächen an Eukalyptuswäldern an der Ostküste nimmt ihnen den Lebensraum. Autounfälle, Buschfeuer, Hundeattacken und die Chlamydia-Infektion, die sie erblinden lässt und unfruchtbar macht, tragen ebenso dazu bei, dass die australischen Symboltiere immer weniger werden. Derzeit sollen nur noch etwa 329.000 Koalas in Australien leben.

Erste umfassende genetische Karte

Deswegen wird auf Hochtouren daran gearbeitet, wie das einzigartige australische Tier gerettet werden könnte. Ein großer Meilenstein ist nun mit der ersten umfassenden genetischen Karte gegeben, die wertvolle neue Informationen über den Koala ans Tageslicht gebracht hat.

Ein Konsortium aus 54 Wissenschaftlern aus der ganzen Welt hat den genetischen Bauplan erstellt, von dem Forscher nun Informationen ableiten wollen, um einen effektiveren Impfstoff gegen die Chlamydia-Infektion zu entwickeln. Während der Forschung kam ein Supercomputer der Universität von New South Wales zum Einsatz, mit dessen Hilfe die Wissenschaftler mehr als 20.000 Koala-Gene sequenzierten.

Wie verdaut der Koala die giftigen Eukalyptusblätter?

Mit der Entzifferung des Erbgutes enthüllten die Forscher auch einige Geheimnisse, die den Koala nach wie vor umgeben: Zum Beispiel wie der Beutler die Diät mit giftigen Eukalyptusblättern so einfach wegstecken kann – ein Speiseplan, der die meisten anderen Lebewesen töten würde. Gene in der Leber des Koalas scheinen dafür zuständig zu sein, die Blätter zu entgiften. Die DNA der Tiere stattet sie zudem mit einem enorm guten Geruchssinn aus, der es ihnen erlaubt, Blätter mit einem Wassergehalt von mindestens 55 Prozent auszuschnüffeln.

Alle vom „Koala Genom-Konsortium“ generierten Sequenzdaten wurden in öffentlichen Datenbanken abgelegt und Wissenschaftlern auf der ganzen Welt frei zugänglich gemacht. „Open Data fördert nicht nur die besten Interessen der Wissenschaft, sondern maximiert auch die Vorteile, die die Koala-Populationen und die Öffentlichkeit von solchen Forschungen erhalten“, sagte Rebecca Johnson, die Direktorin des Forschungsinstituts des Australischen Museums, die das Projekt leitete.

Kraft im Kot könnte den Koalas ebenfalls helfen

Im Mai hatte auch die Politik bereits auf die ernste Lage der Koalas reagiert und Millionenbeträge zur Verfügung gestellt, um Koala-Schutzgebiete zu schaffen, Straßen besser zu sichern und um ein neues Koala-Krankenhaus ins Leben zu rufen. Im Juni verkündeten australische Wissenschaftler dann noch einen weiteren Durchbruch: Sie fanden heraus, dass die Übertragung von Fäkalien aus dem Darm eines Tieres auf ein anderes, die Gesundheit und Lebensfähigkeit der Tiere fördern kann.

Die Forschung, die im Juni während der Konferenz der American Society for Microbiology in Atlanta vorgestellt wurde, soll die Tiere dazu bringen, sich nicht nur auf jeweils eine Eukalyptusart als Nahrungsmittel zu versteifen, sondern flexibler zu werden. Dies könnte auch dabei helfen, Koalas künftig leichter umsiedeln zu können. Denn während das Symboltier im Osten des Landes immer seltener wird, leben im Süden, vor allem auf Kangaroo Island, teilweise zu viele Koalas. Bisher hatten sich Wissenschaftler immer gegen eine Umsiedelung der Tiere gesträubt.  Denn fast 40 Prozent aller Koalas sterben, wenn sie an einen anderen Ort gebracht werden und sich von unbekannten Eukalyptusarten ernähren müssen. Die Impfung mit fäkalen Mikroben aus bestehenden Populationen könnte nun jedoch die Lösung für dieses Problem bieten.

(Barbara Barkhausen)