Great Ocean Road: Künstler probt Graffiti mit Kreide – dann geht es plötzlich nicht mehr ab

Ein australischer Künstler malt mit Kreide einen Wombat in seinem Bau an einen Brückenpfeiler. Das ganze soll ein Test für ein größeres Projekt sein. Als er das Bild wenig später wieder abwaschen will, erlebt er eine Überraschung.

Es ist eine Geschichte, die einen permanent schmunzeln lässt, während man sie erzählt bekommt. Zugespielt hat sie sich in dem kleinen Örtchen Warrnambool an der Great Ocean Road in Australien.

Dort ist Phil Hoy gerade dabei, einen Rasenstreifen neben einer viel befahrenen Straße zu mähen, als ihm Leute auffallen, die auf der anderen Straßenseite Fotos machen. Hoy wird neugierig und stößt auf ein Bild an einem Brückenpfeiler. „Ich dachte mir: ‘Ja, das ist mutig‘“, erzählt er später dem lokalen Fernsehsender ABC. Denn auf den ersten Blick habe es ganz so ausgesehen, als habe jemand die Brücke mit Absicht beschädigt.

Tatsächlich: Erst auf den zweiten Blick erkennt man: Der Fleck auf der Brücke ist kein Loch, sondern das ziemlich realistisch wirkende Bild eines Wombats in seinem Bau. Das australische Beuteltier schaut verschmitzt heraus und scheint gerade dabei zu sein herauszukrabbeln. „Irgendeiner hat hier Talent“, schießt es Hoy in den Kopf, als er das Kunstwerk betrachtet.

Eigentlich sollte es nur ein Experiment sein

Dieser Jemand ist der australische Künstler Jimmi Buscombe. Buscombe wohnt direkt neben der Brücke. Er macht sich gerade Gedanken über einen neuen Auftrag: Die lokale Gemeinde hat ihn für ein Graffiti gebucht. Deswegen will der Künstler testen, wie gut sich eigentlich mit Kreide auf Beton malen lässt. „Ich hätte vielleicht eine Genehmigung einholen sollen, aber es sollte ja nur ein Experiment sein“, sagt Buscombe. Außerdem sei es ja Kreide gewesen – bei Regen würde sich das wieder abwaschen.

Letzteres fällt natürlich auch Hoy auf, der das Graffiti erst entdeckt, nachdem Buscombe es über drei Stunden hinweg fertig gemalt hat. „Wow, es wird verschwinden, sobald es regnet“, habe er sich gedacht und daraufhin beschlossen, das Kunstwerk zu retten. Seine Frau versucht noch auf ihn einzureden. Sie will nicht, dass er sich einmischt, doch Hoy will nicht auf sie hören. Er habe eine gelbe Weste angezogen und so getan, als sei er „wichtig“ und habe das Bild mit einer transparenten Beschichtung angesprüht, die man sonst nur für die Autolackierung nutzt, erzählt er.

„Ich fing an, Panik zu bekommen“

Von all dem weiß Jimmi Buscombe nichts. Eigentlich habe er das Kunstwerk noch am gleichen Abend wieder abwaschen wollen, habe dann jedoch beschlossen, das Bild ein paar Tage länger an der Brücke zu lassen, erinnert er sich. Denn bei Passanten kommt es gut an. Als er es schließlich wieder wegputzen will, fällt dem Maler auf, dass das Bild plötzlich glänzt. Erst habe er das noch für eine chemische Reaktion mit dem Tau in der Luft gehalten, sagt Buscombe.

Doch das Bild lässt sich trotz kräftigen Schrubbens nicht entfernen. Das habe ihm einen ganz schönen Schreck eingejagt. „Ich fing an Panik zu bekommen“, erzählt der Künstler. „Man kann sich für so etwas ziemlichen Ärger einhandeln.“ Mit allen möglichen Mitteln versucht Buscombe schließlich, das Bild wegzuwischen, zuletzt mit einem starken Nagellackentferner. Doch nichts funktioniert –  das Experiment ist permanent geworden – genauso wie Phil Hoy das beabsichtigt hat.

Inzwischen ist das Kunstwerk „legal“

Letztendlich nimmt die Geschichte ein gutes Ende: Nachbarn, die Phil Hoy beim Sprühen beobachtet haben, erzählen dem Künstler schließlich, was passiert ist. Jimmi Buscombe klopft daraufhin bei Hoys Haus und findet zu seinem Erstaunen heraus, dass Hoy im Laufe seiner Karriere bereits für die lokale Gemeinde tätig war, um unerwünschte Graffitis zu entfernen. „Das ist ziemlich lustig“, sagt er.

Buscombes Kunstwerk war damit wohl das erste, dass der Gemeindearbeiter nicht wegputzen, sondern konservieren wollte. Glücklicherweise stimmt auch die Gemeinde Warrnambool mit Phil Hoy überein: Das Kunstwerk darf bleiben und der lokale Fernsehsender sucht derzeit sogar nach einem Namen für den Wombat.

(Barbara Barkhausen)

Foto: Jimmi Buscombe