Great Ocean Road: Klimawandel gefährdet Australiens berühmteste Straße

Der steigende Meeresspiegel, heftige Stürme und Erosion gefährden die berühmte Great Ocean Road in Australien. Wissenschaftler und Ingenieure warnen, dass Teile der Küstenstraße innerhalb der nächsten fünf Jahre abstürzen könnten.

Australien fürchtet um seine Sehenswürdigkeiten: Das Great Barrier Reef ist schon heute durch den Klimawandel stark angeschlagen, und viele Korallen durch die erhöhten Meerestemperaturen bereits abgestorben. Doch nun trifft es auch die Great Ocean Road im Südosten des Landes. Die berühmte Straße, die sich an der zerklüfteten Küste des Landes entlangzieht und die jedes Jahr über fünf Millionen Touristen besuchen, ist laut eines Berichts der Tageszeitung The Age in Gefahr. Ein starker Sturm könnte Teile der Straße wegwaschen und Autofahrer gefährden.

Extrem nahe am Meer und auf Primärdünen gebaut

Mehrere Studien, die der australischen Tageszeitung vorliegen, zeigen die dramatische Stranderosion in Apollo Bay, einem der beliebten Strandorte an der Great Ocean Road, in den vergangenen zwei Jahren auf. Neben Erosion gefährden Überschwemmungen und der Anstieg des Meeresspiegels die Küste vor dem Bundesstaat Victoria.

Laut der Experten wäre die Straße, die extrem nahe am Meer und zudem auf Primärdünen gebaut wurde, auch ohne den Klimawandel alle 50 bis 100 Jahre durch extreme Wetterbedingungen beeinträchtigt worden und von Erosion gefährdet gewesen. Der Klimawandel und der damit verbundene Anstieg des Meeresspiegels erhöhen jedoch die Wahrscheinlichkeit, Häufigkeit und Stärke solcher Extremereignisse nochmals deutlich.

Sturm ließ Straße instabil werden

In einem der Berichte empfehlen der Geomorphologe Neville Rosengren und der Ingenieur Tony Miner dringend Maßnahmen zum Schutz eines bestimmten Abschnittes, der als Mounts Bay bekannt ist, und der neben der Apollo Bay liegt. Auch die Ingenieurfirma GHD empfiehlt, die Straße außerhalb des Ortes Apollo Bay neu auszurichten. Ein Sturm im Juni 2018, bei dem etwa fünf Meter des Strandes der Erosion zum Opfer fielen, hat auch die Straße instabil werden lassen. Neben dem brisanten Stück bei Apollo Bay sind aber auch noch weitaus mehr Küstenabschnitte gefährdet, ins Meer abzurutschen.

Die Great Ocean Road ist wegen ihrer Ausblicke und der berühmten Felsformationen wie der Zwölf Apostel weltberühmt. In den Herzen der Australier hat sie aber auch deswegen einen besonderen Platz, da sie einst von Soldaten gebaut wurde, die aus dem Ersten Weltkrieg zurückgekehrt waren. 1932 war die Straße nach 15-jähriger Bauzeit eröffnet worden.

Experten empfehlen Seemauern

Der Bericht der Experten Rosengren und Miner empfiehlt Seemauern, um Teile der Straße zu schützen, die zwischen Melbourne und Adelaide liegt, westlich von Geelong startet und kurz vor der Grenze zu Südaustralien endet. „Die Regierung wird eine Schutzmauer in Mounts Bay bauen müssen, ansonsten wird die Great Ocean Road ernsthaft kompromittiert werden“, sagte Neville Rosengren der australischen Zeitung.

Auch der zweite Expertenbericht empfiehlt schützende Strukturen und in Teilen eine Neuausrichtung der Straße. Beides würde jedoch das Bild der malerischen Küstenlandschaft sowie die Ökologie der Region beeinträchtigen. Eine Entscheidung steht bisher noch aus.

(Text/Foto: Barbara Barkhausen)