Dies könnte die älteste Geschichte sein, die jemals erzählt wurde

Australische Wissenschaftler glauben, dass eine Erzählung der Aborigines die älteste Geschichte sein könnte, die jemals erzählt wurde. Die Geschichte beschreibt die Entstehung des Vulkans Budj Bim. Diese passt laut der Forscher zu einem Ereignis vor 37.000 Jahren.

Beweisen lassen sich die Theorien der australischen Wissenschaftler natürlich nicht. Das schon mal vorab. Auch die Forscher selbst sind vorsichtig, wenn sie ihre Ideen formulieren. Doch eine Geschichte der australischen Ureinwohner passt so gut zur Entstehung eines Vulkans vor etwa 37.000 Jahren, dass die Theorie zumindest plausibel erscheint, dass sie die älteste Geschichte ist, die jemals erzählt wurde.

Doch beginnen wir von vorne: In der Geschichte geht es um vier riesenhafte Wesen, die  in Südostaustralien lebten. Drei von ihnen zog es in andere Teile des Kontinents, doch einer blieb zurück. Sein Körper verwandelte sich in einen Vulkan namens Budj Bim, und seine Zähne wurden zur Lava, die der Vulkan ausspuckte.

Erinnert die Erzählung an eine wahre Begebenheit?

Die Geschichte des indigenen Gunditjmara-Volkes beschreibt die Entstehung eines Vulkans, so viel ist klar. Australische Forscher glauben nun jedoch, dass die Erzählung Vorgänge vor 37.000 Jahren wiedergibt, als sich tatsächlich zwei Vulkane im Budj Bim Nationalpark im heutigen Bundesstaat Victoria, rund 270 Kilometer westlich von Melbourne, gebildet haben.

Die Geologin Erin Matchan von der Universität von Melbourne berichtete dem Magazin Science von einer Steinaxt, die Archäologen in den 1940er Jahren in der Region gefunden haben. Diese Axt war unter Vulkangestein begraben und soll damit beweisen, dass Menschen bereits vor dem Vulkanausbruch in der Region gelebt haben.

Vulkane bildeten sich vor 37.000 Jahren

Matchan und ihre Kollegen haben das Vulkangestein datiert und festgestellt, dass sich die dortigen zwei Vulkane vor etwa 37.000 Jahren gebildet haben. Laut der Forscher ist es möglich, dass sich die Vulkane innerhalb weniger Wochen oder Monate aus der flachen Erde erhoben haben und bis zu mehrere zehn Meter in die Höhe gewachsen sind.

Dieses geologische Phänomen könnte – so vermuten die Forscher – einen großen Eindruck bei den Menschen hinterlassen haben, die damals in der Gegend lebten. Diese Theorie formulierte das Team auch in einem Fachartikel, der im Magazin Geology erschienen ist. In den Jahren danach habe es in der Region zudem keine weiteren großen Vulkanausbrüche gegeben, die eine Inspiration für die Geschichte hätten liefern können, schreiben die Forscher.

Ureinwohner: Enge Verbindung zum Land

Laut Damein Bell, dem Geschäftsführer der Aboriginal Corporation von Gunditj Mirring Traditional Owners, begrüßt die Gunditjmara-Gemeinde die neue Studie, da sie die tiefgreifenden Verbindungen aufzeigt, die indigene Menschen mit ihrem Land haben. „Wie bei allen First Nations auf der Welt sind unsere Geschichten, unser Erbe, unsere Identität und unser Überleben mit unseren traditionellen Heimatländern und Gewässern verbunden“, sagte er.

Sean Ulm, ein Archäologe an der James Cook Universität in Cairns, der nicht an der Studie beteiligt war, rät zwar wie auch die Autoren selbst zur Vorsicht: Keine anderen mündlich überlieferten Geschichten hätten so lange überlebt, sagte er. Doch: „Es ist ein interessanter Vorschlag, über diese Traditionen nachzudenken, die sich über Zehntausende von Jahren erstrecken.“

(Text: Barbara Barkhausen; Foto: Public Domain)