Deutscher Forscher entdeckt die farbenfrohste Spinne der Welt

Selbst Spinnenphobiker lieben diese Achtbeiner: Die winzigen und bildhübschen Pfauenspinnen. Rund 70 Arten wurden bisher in Australien entdeckt. Federführend ist ein deutscher Biologe, der sich die Tiere zum Steckenpferd gemacht hat. Jetzt hat Jürgen Otto das bisher farbenfrohste Exemplar der Pfauenspinnen entdeckt.

Pfauenspinnen zu entdecken erfordert ein besonderes Gespür und Augen wie ein Luchs. Denn die Tiere sind nur wenige Millimeter groß. Doch unter der Lupe betrachtet kommen Lebewesen zum Vorschein, die mehr an hübsche Kuscheltiere erinnern, mit Knopfaugen und im Falle der Männchen mit teils farbenfrohen Mustern. Diese präsentieren die Männchen in stolzen Balztänzen für die Weibchen.

Die meisten der bekannten 70 Arten wurden in den vergangenen sieben Jahren entdeckt, viele davon in Western Australia. Ein deutscher Biologe, der im Berufsleben über noch kleinere Tieren – nämlich Milben –  forscht und ein pensionierter amerikanischer Geschäftsmann haben sich die Pfauenspinnen zum Steckenpferd gemacht. Sie haben in den vergangenen sieben Jahren die meisten Arten der Springspinnen beschrieben.

Panne verhalf zu perfekten Bedingungen

Auf einer Expedition in Western Australia stieß der deutsche Biologe Jürgen Otto nun erneut auf zwei neue Arten: Zum einen auf eine Art der Springspinnen, die bereits vor 23 Jahren schon entdeckt, aber nie beschrieben wurde. Ihr Spitzname war Hokey Pokey und Otto und ihr ursprünglicher Entdecker David Knowles hatten sie über Jahre hinweg immer wieder erfolglos gesucht und die Hoffnung beinahe schon aufgegeben. „2017 besuchte ich die Region dann nochmal selbst und während dieser drei Wochen im Südwesten versuchte ich nochmal mein Glück“, sagte Otto. „Und dieses Mal klappte es.”

Ein wenig habe er dies einer Panne mit seinem Mietwagen zu verdanken. „Dadurch wurde ich aufgehalten und kam später als gedacht an.” Zunächst habe er sich darüber geärgert, doch dann stellte sich heraus, dass er dadurch perfekte Wetterbedingungen antraf: Kein Wind, eine leichte Bewölkung und warme Temperaturen. Otto gelang es, gleich mehrere Exemplar der Spinne einzusammeln, die 23 Jahre verschollen war. Anstatt Hokey Pokey nannte er die Spinne jedoch Maratus tortus. „Tortus” kommt dabei aus dem Lateinischen und bedeutet „verdreht“ – eine Anspielung auf die Bewegung des Körpers beim Balzakt.

Kein Designer könnte die Farben besser arrangieren

Während der gleichen Expedition stieß der deutsche Forscher auch auf eine zweite, bisher unbekannte Art der Pfauenspinne. Zunächst dachte Jürgen Otto, der an einer Form der Farbenblindheit leidet, die Spinne sehe nicht viel anders aus als die bisherigen, die er entdeckt hatte. Erst als er Bilder im Internet postete, fielen ihm die begeisterten Kommentare auf. Denn mit Maratus unicup, wie er das Tier nach seinem Fundort benannte, war er auf die wahrscheinlich farbenfrohste Spinne der Welt gestoßen. Ihr Muster hat Elemente in orange und türkis, die kein Modedesigner besser arrangieren hätte können.

Wie bei den anderen Pfauenspinnen schwingen auch die Männchen von Maratus tortus und Maratus unicup ein Beinpaar in die Luft und bewegen ihre Körper rhythmisch, um mit diesem eindrucksvollen Tanz die Weibchen zur Paarung zu bewegen.

Pfauenspinnen haben eigene Persönlichkeit

Jürgen Ottos Faszination mit den Tieren rührt aber auch daher, da die Spinnen viel Persönlichkeit zeigen. Der Biologe vergleicht ihr Verhalten gerne mit dem von Hunden und Katzen. „Anders als andere Spinnen oder beispielsweise Insekten zeigen Pfauenspinnen Emotionen und stellen sich beispielsweise auf, wenn sie neugierig sind“, sagte Otto.

Neben der wissenschaftlichen Arbeit fotografiert und filmt der Biologe die drei bis fünf Millimeter großen Miniaturlebewesen auch, von denen über 20 Stück auf einen Finger passen. Seine Fotos und Filme haben ihm im Internet den Namen „Peacock Spiderman“ und Millionen Likes und Klicks eingebracht.

Otto geht es bei seinem Hobby aber nicht nur um den Internetruhm oder darum, neue Tierarten zu entdecken. Der Wissenschaftler will mit Hilfe der bildhübschen Tiere auch den eher schlechten Ruf der gesamten Spinnengemeinde verändern, die essentiell für die Ökosysteme unserer Erde sind, wie er betont.

(Barbara Barkhausen)