Coronakrise: Qantas schickt 20.000 Mitarbeiter in den unbezahlten Urlaub

Die australische Fluglinie Qantas greift angesichts der Covid-19-Pandemie zu extremen Maßnahmen. Sie setzt sämtliche internationalen Flüge bis mindestens Ende Mai aus und schickt zwei Drittel ihrer Arbeitskräfte – rund 20.000 Angestellte – in den unbezahlten Urlaub. Australien lässt ab Freitagabend keine ausländischen Besucher mehr ins Land.

Es sind drastische Schritte, die Qantas-CEO Alan Joyce am Donnerstag verkündet hat. Die australische Fluggesellschaft streicht ab sofort sämtliche internationalen Flüge. Außerdem schickt der Manager zwei Drittel seiner Belegschaft in den unbezahlten Urlaub. 150 Flugzeuge bleiben vorerst am Boden.

Die Entscheidung von Qantas kam wenige Stunden, bevor Australiens Premierminister Scott Morrison verkündete, keine internationalen Besucher oder Geschäftsreisenden mehr ins Land zu lassen.

Die Maßnahmen von Qantas sollen sicherstellen, dass das Unternehmen „nicht zu den Fluggesellschaften gehören“ wird, die aufgrund der Covid-19-Pandemie „untergehen“ werden. Laut Alan Joyce ist dies die größte Krise, die die Luftfahrt jemals durchgemacht hat. Nur die Stärksten werden dies seiner Meinung nach überleben, viele Fluggesellschaften würden daran zugrunde gehen, sagte der Australier mit irischen Wurzeln. „Qantas wird keine von ihnen sein“, beschwor er.

CEO verzichtet auf Gehalt

Bereits vergangene Woche hatte Joyce bekannt gegeben, dass er für den Rest des Geschäftsjahres (bis Ende Juni) auf sein Gehalt verzichten werde. Joyce war bisher Australiens bestbezahlter CEO und hat im Geschäftsjahr 2018 knapp 24 Millionen australische Dollar – umgerechnet über 12 Millionen Euro – mit nach Hause genommen.

Die verkündeten Maßnahmen gelten zunächst bis Ende Mai, die Entscheidung, ob die Flüge im Juni wieder aufgenommen werden, soll im April getroffen werden. Sie wird nicht nur vom Verlauf der Pandemie weltweit abhängen, sondern auch davon, ob Australien seine Grenzen wieder für Ausländer öffnet. Die beurlaubten Qantas-Mitarbeiter dürfen in der Zwischenzeit für andere Unternehmen arbeiten. Vor allem die Supermarktketten suchen derzeit nach zusätzlichen Angestellten. Wer noch Urlaub aufgespart hat, darf diesen ebenfalls verwenden, um die Krise zu überbrücken. Ein Vertreter der Gewerkschaft kritisierte den Schritt von Qantas schwer und äußerte sich „empört“ über die Entscheidung. Denn einen Tag zuvor hatte die australische Regierung noch ein Rettungspaket in Höhe von 715 Millionen Dollar (365 Millionen Euro) für den australischen Luftverkehrssektor zur Verfügung gestellt.

Tasmanien macht dicht

Neben Qantas hat auch die zu Qantas gehörende Billigfluglinie Jetstar ihre internationalen Flüge gestrichen. Inlandsflüge wurden um 60 Prozent gekürzt. Schwer wiegt hier für Qantas, das in diesem Jahr eigentlich sein hundertes Jubiläum feiert, dass die australische Insel Tasmanien sich verstärkt vom Festland abschottet. Um die Ausbreitung des Coronavirus auf der Insel zu verhindern, müssen selbst Australier, die derzeit auf die Insel reisen möchten, eine 14-tägige Quarantäne einhalten. Die gleiche Auflage gilt derzeit für Australier oder in Australien lebende Bürger mit gültigem Visum, die aus dem Ausland zurückkehren.

Sie sind ab Freitagabend (Ortszeit) die einzigen, die bis auf Weiteres auf den Kontinent dürfen. Ausländische Urlauber oder internationale Geschäftsreisende werden ab dann nicht mehr ins Land gelassen. Aufgrund der zahlreichen gestrichenen Flüge haben aber auch viele Australier im Ausland derzeit große Probleme in ihr Land zurückzukehren. So sitzt eine Gruppe Australier beispielsweise in Peru fest. Nachdem es keine Linienflüge mehr zurück nach Australien für sie gibt, wollen die Reisenden nun mehrere hunderttausend Dollar aufbringen, um selbst einen Privatjet nach Hause zu chartern.

Glückssträhne nimmt ein Ende

Die Entscheidung von Qantas ging am Donnerstag wie ein Erdbeben durchs Land. Australiens Wirtschaft war bisher erfolgsverwöhnt. Zuletzt hatte das Land 1991 eine Rezession erlebt. Danach hat der fünfte Kontinent nie mehr zwei Quartale mit negativem Wachstum verbuchen müssen. Selbst die globale Banken- und Finanzkrise 2008 überstand Australien als Rohstofflieferant relativ unbeschadet.

Doch nun könnte die Glückssträhne des „Lucky Country“ („glückliches Land“), wie Australien gerne genannt wird, ein Ende nehmen. Nachdem Buschfeuer große Teile des Landes über Weihnachten und Neujahr verwüsteten, Tausende flüchten mussten und Geschäfte, vor allem im Tourismusbereich, teilweise brach lagen, trifft die Viruserkrankung Covid-19, an der bisher über 600 Australier erkrankt sind, die ohnehin schon angeschlagene Wirtschaft des Kontinents besonders schlimm.

Vergangene Woche warnten gleich zwei Ökonomen, dass das Land im ersten Halbjahr 2020 vor einer Rezession stehe. Marktanalysten der australischen Bank Westpac als auch Experten von Bloomberg Economics prognostizierten, dass die australische Wirtschaft in zwei aufeinander folgenden Quartalen schrumpfen wird. Laut Westpac wird die Wirtschaft in den ersten beiden Quartalen um 0,6 Prozent nachgeben, Bloomberg sagt sogar einen Rückgang von 0,7 Prozent voraus.

Barbara Barkhausen