Buschfeuer-Krise in Australien – Absage des Feuerwerks in Sydney?

Kontroverse um Silvesterfeuerwerk in Sydney

In Australien wird diskutiert, Sydneys legendäres Silvesterfeuerwerk angesichts der Rekordbrände im Land abzusagen. Mehrere tausend Menschen haben Petitionen unterschrieben, in denen sie fordern, das Geld in die Regionen zu investieren, die von den Bränden und der anhaltenden Dürre betroffen sind.

Jedes Jahr wieder läutet Sydney das neue Jahr als einer der ersten Orte der Welt ein. Das farbenfrohe, schillernde Feuerwerk, das den Nachthimmel über dem Hafen Sydneys und der berühmten Hafenbrücke erleuchtet, geht um die Welt. Rund eine Milliarde Menschen schauen weltweit zu – ein besseres Marketing für die Stadt und ganz Australien ist kaum vorstellbar.

2019 wurde ein Rekordbetrag von 5,8 Millionen australische Dollar, umgerechnet fast 3,6 Millionen Euro, für das Lichterspektakel ausgegeben, doch Schätzungen gehen davon aus, dass der Silvesterabend der Wirtschaft im Gegenzug 133 Millionen Dollar bzw. 82 Millionen Euro einbrachte.

Verheerende Buschbrände verwüsten Australien

Trotzdem fordern derzeit Tausende, das diesjährige Feuerwerk abzusagen und die Millionen lieber in die Regionen zu investieren, die von der anhaltenden Dürre sowie den derzeitigen Buschfeuern betroffen sind.

Waldbrände haben in diesem Frühjahr allein im Bundesstaat New South Wales, in dem Sydney liegt, rund 500 Häuser zerstört und sechs Menschen das Leben gekostet. Im Vergleich: Die letzten intensiven Buschfeuer zerstörten 2013/2014 248 Häuser. Über 1.650.000 Hektar Buschland sind bisher abgebrannt – mehr als während der vergangenen drei Buschfeuersaisons zusammen.

Petition will Feuerwerk absagen

Auf Change.org fordern deswegen gleich mehrere Petitionen, das Feuerwerk abzusagen und das Geld für die Buschfeueropfer und Farmer zu spenden, die unter der Dürre leiden. Die Hauptpetition, die sich an den australischen Premierminister Scott Morrison wendet, hat bereits fast 15.000 Unterschriften.

Angesichts der Dürre in Australien und der katastrophalen Brände mache der Gedanke, Millionen für ein Feuerwerk auszugeben, anstatt das Land wieder aufzubauen, einen „ärgerlich“, schreibt die Initiatorin. „Es sind Zeiten wie diese, in der wir als Nation unsere Prioritäten überdenken müssen“, heißt es in der Petition weiter. Es sei doch besser, das neue Jahr auf australische Art und Weise zu begrüßen, nämlich, indem „wir unseren australischen Landsleuten helfen“. In der Kommentarsektion applaudierten viele Australier diesem Gedanken. Das mache finanziell und ökologisch den meisten Sinn, schrieb Jenny Jacobi beispielsweise. „Feuerwerke sind wie Luftballons, Relikte einer verschwenderischen Ära.“ Ein kleineres Feuerwerk, das Sydney in den vergangenen Tagen erleuchtete, kam zudem unter Beschuss, da aufgrund der trockenen und heißen Bedingungen eigentlich ein komplettes Verbot sämtlicher Aktivitäten besteht, die Feuer auslösen können.

Hashtag buyfromthebush

Insgesamt ist die Hilfsbereitschaft für die Menschen auf dem Land und die Buschfeueropfer groß. Über Airbnb werden derzeit kostenlose Notunterkünfte vermittelt und eine findige Australierin hat die Bewegung “#buyfromthebush” gestartet, um den Menschen „im Busch” unter die Arme zu greifen.

Auf sozialen Medien werden unter diesem Hashtag Produkte von Firmen, Künstlern und Geschäften auf dem Land beworben, darunter Marmeladen, Kunsthandwerk und Mode. So können Städter mit ihren Weihnachtseinkäufen die Wirtschaft in den Regionen unterstützen, die von der Dürre und den Feuern gebeutelt werden.

Barbara Barkhausen