Buschfeuer gefährden Koalas

Im Osten Australiens sind vermutlich hunderte Koalas bei einem außer Kontrolle geratenen Buschbrand gestorben. Die Beutler sind oft zu langsam, um vor den Feuern zu fliehen. Die Zahl der australischen Symboltiere hat über die Jahre hinweg bereits extrem abgenommen.

Hunderte von Koalas sind vermutlich bei einem Buschbrand im Osten Australiens ums Leben gekommen. Das Feuer, das vermutlich durch einen Blitzschlag in der Nähe von Port Macquarie rund fünf Autostunden nördlich von Sydney ausbrach, hat mehr als 2.000 Hektar an Wäldern zerstört.

Koala-Population „von nationaler Bedeutung“

In dem Gebiet lebte auch eine bedeutende Koala-Population, die den Brand höchstwahrscheinlich nicht überlebt hat, nachdem die Tiere, die über 20 Stunden am Tag schlafen, sehr langsam sind und vor Feuern nicht rechtzeitig fliehen oder Schutz suchen können.

Laut Sue Ashton, die das Koala-Krankenhauses in Port Macquarie leitet, ist der Verlust der Population eine „Tragödie“. Gerade diese spezielle Gruppe an Koalas sei genetisch sehr vielfältig und damit „von nationaler Bedeutung“ gewesen, sagte die Tierschützerin dem Guardian. „Es ist verheerend, einen großen Teil dieser Bevölkerung zu verlieren.“

150 Retter stehen in den Startlöchern

Ashton sagte, dass die Tierschützer aufgrund der anhaltenden Brände, deren Rauchschwaden am Mittwoch sogar bis Sydney zogen, wohl erst am Donnerstag oder Freitag nach Verletzten suchen könnten. Derzeit stünden aber bereits 150 Freiwillige in den Startlöchern, um überlebende Koalas aus den verbrannten Gebieten zu holen und im Koala-Krankenhaus zu behandeln.

Normalerweise klettern Koalas bei einem Feuer bis in die Baumspitze und rollen sich dort zu einer kleinen Kugel zusammen. Manchmal sengt das Feuer so nur das Fell an, doch bei sehr starken Bränden können die Tiere lebendig verbrennen. Selbst wenn die Beutler zu fliehen versuchen, verbrennen sie sich beim Abstieg von schwelenden Bäumen oft ihre Pfoten und Klauen und können dann nicht mehr richtig klettern.

Im Osten sind die Tiere gefährdet

Die Nachricht ist auch deswegen besonders tragisch, da die Zahl der Tiere im Osten des Landes in den vergangenen Jahren ohnehin schon dramatisch zurückgegangen ist. Laut des australischen Umweltministeriums ist die Gesamtbevölkerung der Beuteltiere in den östlichen Bundesstaaten Queensland und New South Wales, in dem auch Port Macquarie liegt, von über 325.000 im Jahr 1990 auf rund 188.000 im Jahr 2010 gerutscht, ein Verlust von 42 Prozent.

In den bevölkerungsreichen Staaten haben Infrastrukturprojekte Habitate zerstört und auch Hunde und Straßenverkehr dezimieren die Zahlen der Baumbewohner. Zudem bedroht die sogenannte Chlamydia-Infektion, die die Tiere blind und unfruchtbar werden lässt, ihren Bestand.

Seit einigen Jahren kommen nun zusätzlich noch die Auswirkungen des Klimawandels hinzu. Extreme Temperaturen und langanhaltende Dürren machen den Eukalyptus, den die Koalas fressen, trockener und härter. Der Klimawandel ist zudem teilweise für die frühe Buschfeuersaison verantwortlich, die Australien gerade in diesem Jahr besonders zu spüren bekommt.

Text+Foto: Barbara Barkhausen