Australier findet Lebensretter nach 50 Jahren wieder

Als Kleinkind wäre ein Australier beinahe beim Baden im Meer ertrunken. Ein anderer Dreijähriger rettete ihm damals das Leben. Jetzt suchte er seinen Retter über soziale Medien und wurde fündig.

Es ist eine dieser Szenen, die im Unterbewusstsein bleiben, auch wenn man sich nicht mehr an jedes Detail erinnert. Robert Brownhall war mit seinen Eltern am Strand, spielte im Sand und planschte im seichten Wasser, als das passierte, vor dem sich alle Eltern fürchten. In einem Moment der Unaufmerksamkeit war der Kleine in tieferes Wasser abgerutscht und verschwunden. Nur noch eine Hand schaute heraus.

In letzter Sekunde gerettet

Einzig ein anderer Dreijähriger sah Brownhall in der Tiefe verschwinden und alarmierte seine Mutter: „Ein Junge ist in ein Loch gefallen“, soll er laut eines alten Zeitungsartikels gesagt haben. Die Eltern des Jungen und Brownhalls eigene Familie konnten ihn schließlich aus dem Wasser ziehen, in letzter Sekunde, denn Brownhall war bereits bewusstlos. Mit Hilfe der Rettungsschwimmer am Strand wurde der damals Dreijährige wiederbelebt.

Fast 50 Jahre war die Geschichte eher ein Tabu in Brownhalls Familie. „Meine Mutter spricht nicht gerne darüber, wahrscheinlich weil sie sich schuldig fühlt“, sagte der Australier. Doch vor einigen Wochen habe er dann einen alten Zeitungsartikel über die Rettungsaktion gesehen. Als er den Namen des anderen Dreijährigen las, beschloss er, seinen Retter von damals zu suchen, um sich bei ihm zu bedanken.

Überlebenskampf inspirierte Kunst

Brownhall, der ein renommierter Künstler in Australien ist, wollte ihm zudem eines seiner Gemälde schenken, denn er glaubt, dass das damalige Erlebnis – der Überlebenskampf wie auch die Rettung selbst – einen Großteil seiner Kunst inspiriert hat.

„Ertrinken ist kein schöner Tod“, sagte er in einem Telefoninterview. „Man kämpft minutenlang.“ In gewisser Weise ließe sich dieser Kampf noch immer in seinen Bildern erkennen, das Ereignis sei wohl nach wie vor in seinem Unterbewusstsein. „Viele meiner Bilder sind Nachtszenen, dunkel und regnerisch, oder Bilder, die Menschenmengen zeigen mit Menschen, die sich auch eher in einer Art Kampf zu befinden scheinen.“ Auf anderen Bildern würde er dagegen eher das Gefühl wiedergeben, das er verspürte, als er wiederbelebt wurde und auf dem Boden lag und in die Sonne schaute.

Emotionales Treffen nach fast 50 Jahren

Wenige Wochen nachdem Robert Brownhall die Suche nach seinem Retter auf Facebook und Instagram veröffentlicht hatte und auch einige lokale Medien über ihn berichtet hatten, fand er seinen Retter von damals tatsächlich wieder. Die Tochter von Dean Barry, die die Kindheitsgeschichte ihres Vaters kannte, hatte von Brownhalls Suche gehört. Die beiden Männer trafen sich schließlich fast 50 Jahre nach der Rettungsaktion wieder.

Das Treffen sei recht emotional gewesen, berichtete der Künstler. „Er schaute fast ein wenig vertraut aus“, sagte Brownhall. „Wir wohnen nur etwa 40 Minuten voneinander entfernt und ich bin bestimmt schon 1000 Mal an seinem Haus vorbeigefahren auf dem Weg zum Surfen.“ Denn letzteres sei trotz seines Erlebnisses als Dreijähriger seine große Passion geworden.

Dean und er würden nun planen, in Kontakt zu bleiben. „Wer weiss, vielleicht bringe ich ihm auch noch das Surfen bei“, sagte Brownhall. Auf alle Fälle sei Dean nach wie vor ein ehrlicher, guter Kerl.

(Barbara Barkhausen)