Australien sieht schwarz für sein Great Barrier Reef

Ein Bericht der australischen Regierung malt ein düsteres Bild für die Zukunft des Great Barrier Reef. Die Zukunftsaussichten wurden von „schlecht“ auf „sehr schlecht“ heruntergestuft. Der Klimawandel setzt das Riff unter zusätzlichen Druck.

Die Prognose ist beängstigend: Die Aussichten für das größte Korallenriff der Erde sind inzwischen „sehr schlecht“. Ein Bericht der australischen Great Barrier Reef Marine Park Authority, der alle fünf Jahre veröffentlicht wird, schlägt Alarm. Schon bisher hätte sich das Korallenriff in schlechtem Zustand befunden, doch durch den Klimawandel sei die Situation nochmals eskaliert worden, heißt es.

„Ohne zusätzliche lokale, nationale und globale Maßnahmen gegen die größten Bedrohungen werden die allgemeinen Aussichten für das Ökosystem des Great Barrier Reef weiterhin sehr schlecht sein“, heißt es in dem Bericht. „Das Zeitfenster, um die langfristige Zukunft des Riffs zu verbessern, ist jetzt.“

Korallen wurden „gekocht“

Das Great Barrier Reef an der Ostküste Australiens besteht aus über 3000 Einzelriffen, die die Heimat von 1500 Fischspezies und 400 Korallenarten bilden. Das Riff hat vor allem 2016 und 2017 besonders gelitten, als zwei Hitzewellen hintereinander die Korallen bleichten. Eine Studie, die australische Wissenschaftler 2018 im Fachmagazin Nature veröffentlichten, zeigte, dass 29 Prozent der Riffsysteme betroffen waren.

Diese betroffenen Riffe verloren mindestens zwei Drittel ihrer Korallen, in einigen Fällen starben sogar bis zu 90 Prozent der Tiere ab. Ein Autor der Studie sagte in Medieninterviews, die Korallen seien geradezu „gekocht“ worden. Im Falle einer Bleiche verfärben sich die Korallen weiß, da ihre Symbiose mit einer Algenart, die die Nesseltiere mit Energie versorgt und ihnen die bunten Farben verleiht, unterbrochen wird.

Australiens Emissionen steigen weiter an

„Wenn Korallen von einer Hitzewelle bleichen, können sie entweder überleben und ihre Farbe langsam zurückgewinnen, wenn die Temperatur sinkt, oder sie können sterben“, sagte Terry Hughes, ein Meeresbiologe und Korallenforscher an der James Cook-Universität in Townsville, damals im Interview. Am Freitag schrieb der Experte dann auf Twitter: Natürlich sei der Klimawandel nicht der einzige Grund für den Rückgang des Great Barrier Reef: „Und seine globale Dimension ist auch keine Entschuldigung für Australiens Unterstützung für schmutzige fossile Brennstoffe.“

Letztere hat Australiens Treibhausgas-Emissionen, wie ebenfalls am Freitag bekannt wurde, weiter in die Höhe getrieben. Trotz der Behauptung der Regierung, sie ergreife „vernünftige und verantwortungsvolle Maßnahmen“, um die Klimakrise zu bewältigen, kletterten die Emissionen um 3,1 Millionen Tonnen auf 538,9 Millionen Tonnen (von März 2018 bis März 2019), ein Anstieg von 0,6 Prozent  gegenüber dem Vorjahr.

Weltnaturerbe könnte als „gefährdet“ eingestuft werden

Das Great Barrier Reef ist seit Jahren angeschlagen, doch in den vergangenen drei Jahren hat sich die Situation nochmal verschärft. Neben den Bleichen hat auch ein Zyklon dazu beigetragen, fast die Hälfte aller Korallen im Nordosten Australiens zu töten. Zusätzlich zu Klimawandel und Stürmen richten auch Hafenanlagen, Abwässer aus der Landwirtschaft und die Dornenkronenseesterne, die die Korallen abfressen, große Schäden an.

Die Ergebnisse des aktuellen Berichts könnten sich unter Umständen nun auch auf den Status des Riffs als Weltnaturerbe auswirken. Bereits in der Vergangenheit hatte die Unesco überlegt, das Riff als „gefährdetes Welterbe“ einzustufen. Bisher hatte Australien diese Blamage verhindern können, doch 2020 soll die Entscheidung erneut unter die Lupe genommen werden.

Barbara Barkhausen