Australien kommt zu dem Schluss: Einwanderer sind eine gute Sache

Populisten verlangten in den vergangenen Monaten lautstark, weniger Migranten nach Australien zu lassen. Bisher ignorierte der Regierungschef Malcolm Turnbull die Forderungen trotz schlechter Umfragewerte. Jetzt bestätigt ihn ein offizieller Bericht zweier Ministerien: Denn deren Zahlen beweisen: Einwanderer kurbeln das Wirtschaftswachstum an.

Der australische Regierungschef Malcolm Turnbull hat es nicht eben leicht im Amt: 30 Umfragen hat er seit seinem Amtsantritt verloren – die Prognose auf einen Sieg bei den nächsten Wahlen 2019 sieht düster aus.

In den vergangenen Wochen wurde der populistische Gegenwind gegen den Premier deswegen immer lautstarker. Der frühere Regierungschef Tony Abbott, den Turnbull 2015 einst gestürzt hatte, verlangte, die derzeitigen 190.000 Einwanderer pro Jahr auf 110.000 zu reduzieren, während der Innenminister Peter Dutton mit Parteikollegen diskutierte, die Zahlen um 20.000 Visa zurückzuschrauben.

Einwanderer bringen Geld

Der Bericht „Shaping A Nation“ („Eine Nation gestalten“), der am Dienstag vom australischen Innen- und Finanzministerium gemeinsam veröffentlicht wurde, zeigt nun jedoch, dass die derzeitige Regierungspolitik das Wirtschaftswachstum ankurbelt. Die Einwanderer wirken dabei den negativen Auswirkungen einer alternden Bevölkerung entgegen und erhöhen die Gesamtnachfrage durch Konsum und Investitionen.

Laut des Berichts trägt das Migrationsprogramm ein Prozent zum jährlichen durchschnittlichen Wachstum des Bruttoinlandproduktes bei. Als Bespiel führt der Report die Einwanderer aus dem Visa-Programm von 2014-2015 an, die einen geschätzten Nettosozialbeitrag von 9,7 Milliarden australische Dollar (rund 6 Mrd Euro/ 7,2 Mrd Franken) über 50 Jahre erbringen werden.

Seit 27 Jahren keine Rezension

Das Einwanderland Australien kann sich seit Jahrzehnten einer extrem positiven Wirtschaftsentwicklung rühmen. So wächst die Wirtschaft des Landes kontinuierlich seit 27 Jahren. Keine andere Industrienation hat bisher einen vergleichbaren Siegeszug hingelegt. Zwei Quartale in Folge mit sinkender Wirtschaftsleistung, das gab es zuletzt 1991. Den Erfolg verdanken die knapp 25 Millionen Australier neben den Rohstoffen ihres Landes und dem starken Wachstum Chinas eben auch ihren neuen Mitbürgern.

Schon auf der Seite des Innenministeriums steht ganz offiziell: „Der Zweck der Migration ist der Aufbau der Wirtschaft, die Gestaltung der Gesellschaft, die Unterstützung des Arbeitsmarktes und die Wiedervereinigung der Familie.“

Australien holt sich qualifizierte Arbeitskräfte ins Land

Von den Menschen, die nach Australien einwandern, sind 68 Prozent qualifizierte Migranten, während es sich bei den verbleibenden 32 Prozent um Familiennachzug handelt. Die qualifizierten Einwanderer unterscheiden sich dabei in Migranten, die von Arbeitgebern gesponsert werden und solche, die rein über ihre Qualifikation die Bewerbung schaffen oder weil sie in eine ländliche Region ziehen, in der ihre Berufssparte gesucht ist. Das Ministerium betont aber auch, dass die Größe und Zusammensetzung des Migrationsprogramms „flexibel“ ist und sich im Laufe der Zeit ändern kann, je nach den sozialen und wirtschaftlichen Bedürfnissen Australiens. Würde sich Australien gegen Einwanderung entscheiden, so würde die Zahl australischer Arbeitskräfte bereits um 2020 anfangen zu schrumpfen.

Dabei weist der Report durchaus auch auf die Probleme hin, die eine wachsende Bevölkerung mit sich bringen kann, wie die zusätzliche Belastung für Infrastruktur, Wohnraum und Umwelt sowie ein erhöhtes Verkehrs- und Müllaufkommen. Letztere Punkte würden in den kommenden Jahren nach innvativen Lösungen verlangen, heißt es.

360° Info: Link Report zum Report: https://cdn.tspace.gov.au/uploads/sites/107/2018/04/Shaping-a-Nation.pdf

(Barbara Barkhausen)