Australien diskutiert über James-Cook-Jubiläum

2020 ist es 250 Jahre her, dass der britische Seefahrer und Abenteurer James Cook mit seinem Schiff „Endeavour“ in Australien landete. Dies will die australische Regierung groß feiern und einen Nachbau der „Endeavour“ um Australien segeln lassen. Für die Ureinwohner des Kontinents ist dies ein Affront.

Vor knapp 50 Jahren feierte Australien den 200. Jahrestag der Ankunft James Cooks. Damals segelte ein Schiff, „Endeavour 2“ genannt, vom britischen Plymouth nach Australien, um die Reise nachzustellen. Die Zeitungen veröffentlichten tägliche Berichte, selbst die britische Königsfamilie feierte mit – die Queen reiste 40 Tage durch das Land – von einer Feierlichkeit zur nächsten.

Aborigines kämpfen bis heute um ihre Rechte

Doch das Australien der 1970er-Jahre war noch ein völlig anderes. In manchen Bundesstaaten hatten die Ureinwohner erst fünf Jahre zuvor das Wahlrecht erhalten. Erst drei Jahre zuvor waren sie bei Volkzählungen als Bürger mitgezählt worden. Und noch bis 1970 wurden Aboriginal Kinder gewaltsam aus ihren Familien entfernt und in weißen Pflegefamilien und Kinderheimen untergebracht.

Heute hat sich das Bewusstsein der Menschen gewandelt. Die Ureinwohner haben ihre Stimme gefunden. Letzteres wird jedes Jahr am 26. Januar, dem australischen Nationalfeiertag, deutlich, an dem viele Aborigines landesweit für ihre Rechte demonstrieren. Ähnlich wie der Nationalfeiertag jedes Jahr zu Kontroversen führt, so spalten auch die derzeitigen Vorbereitungen für den 250. Jahrestag im kommenden Jahr das Land.

Nachbau der „Endeavour“ wird Australien umrunden

Geht es nach Premierminister Scott Morrison, so soll das Jubiläum ausgiebig gefeiert werden. Ein Nachbau der „Endeavour“ soll um Australien segeln, um Einblicke in die Reise aus dem Jahr 1770 zu geben und den Tourismus anzukurbeln. Fast sieben Millionen australische Dollar (4,4 Mio Euro/4,9 Millionen Franken) stellt die australische Regierung für diese Reise zur Verfügung, die an 39 Häfen in Australien anlegen soll. Das Schiff soll im März 2020 von Sydney aus in See stechen und zunächst in Richtung Süden nach Tasmanien segeln, bevor es bis Mai 2021 das australische Festland umrundet haben wird.

Authentisch ist dies nicht, da Cook damals nicht Australien umrundete, sondern nur die Ostküste des Landes abfuhr. Die Umrundung ist dem Forscher Matthew Flinders zu verdanken, dessen Grabmal eben bei Bauarbeiten in London gefunden wurde.

„Es gibt großartige Geschichten zu erzählen“

Trotzdem hofft der australische Premierminister, das Interesse an Geschichte und an seinem Land damit anzukurbeln. „Wir haben großartige Geschichten zu erzählen, einige von ihnen sind hart, andere sind großartig, aber wir müssen sie alle erzählen“, sagte er. Der Brite James Cook war 1770 nicht der erste Europäer gewesen, der in Australien landete, doch der erste, der das Land für die britische Krone beanspruchte. Cook hatte das Kommando der „Endeavour“ zwei Jahre zuvor bekommen, da er für seine Navigationsfähigkeiten in ganz Großbritannien geschätzt war. Sein Auftrag für die Reise war, den Durchgang der Venus durch die Sonne auf Tahiti zu beobachten und den südlichen Kontinent zu finden, der als das logische Gegengewicht zur Landmasse im Norden betrachtet wurde. Cook ignorierte den Anspruch der verschiedenen Aboriginal Stämme und legte damit den Grundstein für die folgende Kolonisierung Australiens.

Ureinwohner sind über die Regierungspläne entsetzt

Neben den Geldern für die Australien-Umrundung investiert die Regierung weitere Millionen in Feierlichkeiten rund um das James-Cook-Jubiläum, unter anderem in ein drei Millionen Dollar (fast 1,9 Mio Euro/2,1 Mio Franken) teures Monument in der Botany Bay in Sydney.

Viele Ureinwohner empfinden die Pläne der Regierung jedoch als eine „skandalöse Beleidigung“, wie Michael Anderson es formulierte. Der Stammesälteste und Führer des Euahlayi-Volkes im Norden des australischen Bundesstaates New South Wales sieht die Feierlichkeiten als ein „Verleugnen jeglicher Verantwortung für die koloniale Vergangenheit des Landes“. Außerdem kritisiert der Jurist die Verschwendung von Steuergeldern. „Auf der einen Seite werden Gemeinden im Busch geschlossen und Ureinwohner aus ökonomischen Gründen von ihrem Land vertrieben, auf der anderen Seite sind Gelder für solche Aktionen vorhanden“, sagte er.

(Text: Barbara Barkhausen / Foto: Australian National Maritime Museum)