Angst vor Covid-19: Australien und Neuseeland schotten Ureinwohner ab

Die Vergangenheit hat gezeigt, wie gefährlich Viruserkrankungen für indigene Völker sein können. In Neuseeland führen die Māori nun Checkpoints vor ihren Ortschaften ein. Australien dagegen möchte überhaupt keine Besucher mehr in indigene Dörfer lassen.
Als die ersten Europäer im 18. Jahrhundert nach Australien kamen, brachten sie auch die typischen Krankheiten des Kontinents mit sich: Bronchitis, Masern, Scharlach, Windpocken oder eine normale Erkältung, gegen die die meisten Europäer eine starke Resistenz hatten, verliefen bei den australischen Ureinwohnern jedoch häufig tödlich.

Anfälliger für chronische Krankheiten

Bis heute ist ist die allgemeine Gesundheit der indigenen Völker – der Aborigines in Australien, wie auch der Māori in Neuseeland – deutlich schlechter als im Rest der Bevölkerung. „Wir sind weitaus anfälliger für chronische Krankheiten wie Diabetes oder Nieren- und Herzerkrankungen, und wir haben mehr Menschen mit Krebs als der Rest der Bevölkerung“, sagte Tina Ngata, eine neuseeländische Ureinwohnerin, dem Guardian.

Neuseeland, das derzeit über 200 Covid-19-Fälle verzeichnet hat, hat zum Schutz seiner Bevölkerung frühzeitig mit drastischen Maßnahmen reagiert. Ab Mittwochabend geht das Land in einen vierwöchigen „Lockdown“ und schließt alle nicht lebensnotwendigen Einrichtungen, um die Ausbreitung des Virus zu stoppen. Auch die Grenzen des Landes sind inzwischen geschlossen. Neuseeländer, die aus dem Ausland nach Hause zurückkehren, müssen in eine 14-tägige Selbstisolation.

„Unsere Leute haben Angst“

Trotzdem fürchten die Ureinwohner, dass die Maßnahmen der Regierung nicht ausreichen werden, um sie vor der hochansteckenden Viruserkrankung zu schützen. Sie planen deswegen Kontrollpunkte an den Zugangsstraßen zu ihren Ortschaften, um jeden abzuweisen, der dort nicht lebt oder arbeitet.

„Unsere Leute haben Angst“, sagte Tina Ngata, die den Checkpoint außerhalb des Ortes Te Araroa eingerichtet hat. „Wir wollen die Zahl der Menschen, die in die Region kommen, minimieren.“ Um die Ansteckungsgefahr zu verringern, haben die Ureinwohner auch den typischen Hongi-Gruß der Māori eingestellt, bei dem man seine Nasen aneinander presst.

Ganze Generation von Ältesten könnte ausgelöscht werden

Auch die australischen Ureinwohner – die Aborigines – versuchen während der Coronavirus-Pandemie Besucher aus den indigenen Gemeinden fernzuhalten. Derzeit werden nur noch Mediziner, Polizisten und Lehrer in die teils sehr einsam gelegenen Gemeinden vorgelassen, die sich hauptsächlich in Westaustralien, im Northern Territory und im Norden von Queensland befinden. Bisher ist kein Ureinwohner in diesen Gemeinden an Covid-19 erkrankt, obwohl Australien landesweit inzwischen über 2000 infizierte Menschen gemeldet hat.

„Eine ganze Generation von Ältesten könnte ausgelöscht werden, wenn wir dem Virus erlauben würden, in diese Gemeinden einzudringen“, warnte Joe Martin-Jard, der Geschäftsführer des Central Land Council, das Aborigines in Zentralaustralien vertritt, in einem Interview mit der BBC. „Die Zahl der Todesopfer selbst unter jüngeren Familienmitgliedern wäre weitaus höher als im Rest der Nation.“

Die westaustralische Regierung hat deswegen beispielsweise angekündigt, frühzeitig evakuieren zu wollen, falls Infektionen auftreten sollten. Dies soll nicht nur gesunde Menschen vor einer Ansteckung bewahren, sondern wäre auch notwendig, da die meisten der Gemeinden nur begrenzte medizinische Versorgungseinrichtungen haben.

Barbara Barkhausen